Abschied von der Kreidetafel

Von Stephanie Kowalewski |
Grüne Schiefertafeln und Kreide - für viele Generationen ist das der Inbegriff der Schulzeit. Heutige Schüler werden wohl ein anderes Bild in Erinnerung behalten, denn interaktive elektronische Tafeln, White-, Smart- oder Starboards genannt, halten mehr und mehr Einzug in die Klassenzimmer.
Evolution steht auf dem Stundenplan der Klasse 10a der Hardenberghauptschule in Velbert. Zum Einstieg in das Thema hat Lehrerin Petra Miritz ihren Schülern einen Film aus dem Internet mitgebracht. Interessiert schauen die Schüler nach vorne, wo neben der klassischen grünen Tafel eine weiße, elektronische Tafel an der Wand hängt.

Das Whiteboard ist eine knapp zwei Quadratmeter große Projektionsfläche, die wie ein Touchscreen funktioniert. Auf ihr können die Schüler schreiben, geometrische Zeichnungen anfertigen und alles beliebig verändern. Für Bilder und Filme wird das Whiteboard zur Leinwand.

Dazu klickt Petra Miritz einfach die entsprechende Datei auf dem Laptop an, der auf dem Lehrepult steht und der an der Zimmerdecke befestigte Beamer projiziert den Film auf die elektronische Tafel.

"Für mich in der Vorbereitung ist es sehr viel einfacher. Ich bereite das alles vor, ziehe das auf einen Stick, komme mit meinem kleinen Stick hier an und stecke den in den Laptop. Und dann geht’s los."

Durch die interaktiven White-, Star-, oder Smartboards naht in den Schulen das Ende der Kreidezeit, begeistert sich Lehrer Karsten Schillies. Er kümmert sich an der Hardenbergschule um die modernen digitalen Alleskönner.

"Ich kann mit Folienstiften ganz herkömmlich darauf schreiben, ich kann sie abwischen, ich kann sie aber auch als Magnettafel benutzen. Ich kann Bilder einbinden, Videos einbinden und diese ganzen Sachen natürlich verschieben, vergrößern, verkleinern. Alles ist möglich, was digital machbar ist."

Und was bezahlbar ist. Immerhin kosten die elektronischen Tafeln je nach Hersteller zwischen 1700 und 3000 Euro. Doch mit der weißen Tafel alleine ist es nicht getan.

"Man braucht einen Beamer, man braucht ein Laptop und man braucht die Tafel.
Und man braucht ein bisschen Affinität dazu? Mussten sie sich da rein denken?
Ja, na klar, aber so schwierig ist das eigentlich nicht. Wenn man mit dem Computer umgehen kann, ist es nicht mehr so schwierig."

Dennoch gilt Deutschland auf dem Markt der elektronischen Tafeln als schlummernder Gigant, denn noch scheuen viele Pädagogen den Einsatz von Computer und Co im Unterricht und oft fehlt schlicht das Geld für die moderne Technik. So war es zunächst auch an der Hardenbergschule, sagt Lehrer Karsten Schillies.

"Am Anfang war das was ganz Besonderes, dass auf einmal so ein, ja - so ein Zauberding da stand. Mittlerweile wird es von vielen Kollegen, insbesondere im Biologie- und Chemiebereich angenommen."

Im Biologieunterricht der 10a haben die Schüler inzwischen in Gruppenarbeit Fragen zu dem Film beantwortet, den sie am Beginn der Stunde auf dem Starboard gesehen haben. Jetzt zeigt die elektronische Tafel ein Arbeitsblatt, dass die Schüler gemeinsam ausfüllen.

"Also ich schreibe mit dem elektronischen Stift meine Antwort halt auf."

Christo und Feisel schreiben mit einem kabellosen Spezialstift direkt auf das Starboard.

"Und wenn man die auf Schreibschrift so erkennbar schreibt, dann kann man das auch mit dem intelligenten Stift ändern, dass das dann halt so Druckschrift ist, als würde man mit der Tastatur schreiben."

Möglich macht das eine spezielle Software, die in Verbindung mit dem intelligenten Stift, Schriften und Formen erkennt, erklärt Karsten Schillies.

"Im Stift ist ein kleiner Funksender drin, oben links in der Tafel ist der Empfänger drin und hochfrequente Signale werden ausgestrahlt. Die zweite Möglichkeit, wie eine elektronische Tafel funktioniert, ist über kleine Kameras, die oben in der Tafel eingebaut sind, so dass ich das wahlweise mit einem elektronischen Stift oder aber auch einfach mit dem Finger auf dieser Tafel schreiben kann. Es wird also dann optisch abgetastet."

Da die Tafel vom Computer gesteuert wird, wird alles, was auf ihr geschieht, automatisch in der entsprechenden Datei gespeichert. Sehr praktisch, findet Petra Miritz.

"Also wenn ich jetzt zum Beispiel nicht fertig werden würde, könnte ich dieses Arbeitsblatt mit den Zwischenergebnissen speichern und in der nächsten Stunden fortsetzten."

Außerdem können die Lehrer die Unterrichtsmaterialien per E-Mail an Schüler und auch Kollegen weiterleiten.
Das Multimediapaket der elektronischen Tafel bietet auch eine umfangreiche Datenbank, in der Schaubilder zum Verlauf der Photosynthese ebenso enthalten sind, wie Landkarten für den Erdkundeunterricht.

Am rechten Tafelrand ist eine Menüleiste, die wahlweise mit dem elektronischen Stift oder mit dem bloßen Finger bedient wird. Hinter kleinen Symbolen verbergen sich hier unter anderem zahlreiche Werkzeuge, wie Winkelmesser, Lineal oder Zirkel. Durch eine Formenerkennung korrigiert die Software krumme Linien und Kreise völlig selbständig. Ein Vorteil gegenüber der alten, grünen Tafel finden Lara, Marcel und Manis.

"Ja wenn man dann zum Beispiel versucht an der Tafel einen Kreis zu machen, mit diesen Riesen- Dingern, gelingt es halt nicht immer. Da kann man mit dem intelligenten Stift zeichnen, dann hat man einen perfekten Kreis. Also, ist schon praktischer finde ich.
Ich finde auf der elektronischen Tafel ist es einfacher zu zeichnen, als auf dem Computer, weil da kann man auch mit dem Stift besser arbeiten. Auf dem Computer muss man das mit der Maus machen, und das ist viel schwieriger finde ich. Also an der elektronischen Tafel finde ich keine Nachteile. Ich finde das macht mehr Spaß/ Ja, das macht sehr viel Spaß. Also früher hatte man überhaupt keine Lust an die Tafel und da will jeder an die Tafel."

Kritiker befürchten allerdings, dass die elektronischen Tafeln den Unterricht in Multimediashows verwandeln und die Schüler so von den eigentlichen Lerninhalten abgelenkt werden. Petra Miritz winkt ab.

"Das lenkt überhaupt nicht ab. Die haben sich ruckzuck dran gewöhnt. Also das ist eigentlich überhaupt kein Problem. Ganz im Gegenteil, es ist eher attraktiv, dann eben auch mit einem neuen Medium umzugehen."

Karsten Schillies ergänzt, dass es in einem guten Unterricht auf die richtige Mischung aus alten und neuen Techniken ankommt.

"Das ist jetzt nicht so, dass wir nur noch mit digitalen Medien arbeiten. Eine Kreidetafel halte ich nach wie vor für sinnvoll, die Hefte werden trotzdem nicht verbannt, und trotzdem muss geschrieben werden mit Füller, es muss mit Bleistift gezeichnet werden. Nur, die digitalen Medien stellen eine Bereicherung dar."