Arthur Eloesser - eine Institution der "Vossischen Zeitung"

Von Dieter Wulf |
Arthur Eloesser war so etwas, wie der Marcel Reich-Ranicki des beginnenden 20. Jahrhunderts. Ein Theater- und Literaturkritiker den zumindest im deutschen Kulturbetrieb jeder kannte. Jetzt wurde in Berlin ein Park nach ihm und seiner Frau Margarethe Eloesser benannt.
"Wir sind hier in Berlin Charlottenburg direkt am S-Bahnhof Charlottenburg. Arthur Eloesser hat hier in der Dahlmannstraße in unmittelbarer Nähe 25 Jahre gewohnt und hat zusammen mit seiner Frau Margarethe nicht einen Salon betrieben, aber seine Wohnung war ein Treffpunkt für Schauspieler, Politiker und Dichter", "

erklärt Horst Olbrich, in dem kleinen Berliner Park zwischen Kurfürstendamm und Kantstraße, der seit Dienstag dieser Woche auf seine Initiative hin Margret und Arthur Eloesser Park heißt.

Schon vor über 20 Jahren hatte Horst Olbrich in seinem Antiquariat durch Zufall Texte des hierzulande weitgehend vergessenen Literatur- und Theaterkritikers entdeckt.

" "Ich hatte Literatur studiert, aber von Eloesser nie etwas gehört. Ich hab ihn per Zufall im Antiquariat entdeckt. Ich hab seine Literaturgeschichte in die Hand genommen und musste nach wenigen Seiten herzhaft lachen."

Jahrzehntelang begleitete Arthur Eloesser den deutschen Literaturbetrieb mit seinen Kritiken in der damals wichtigen "Vossischen Zeitung", betont Horst Olbrich.

"Eloesser ist neben Alfred Kerr der etwas leisere erste große Kritiker in Berlin um 1900 - 1910. Der Name Arthur Eloesser war damals tagtäglich in aller Munde."

Arthur Eloesser war Jude, aber der Glaube spielte in seinem Leben keine zentrale Rolle, wie bei vielen Berliner Juden in dieser Zeit. Und doch kann das Judentum ihm auch nicht gleichgültig gewesen sein. 1893 promovierte er bei dem Germanisten Erich Schmidt und strebte eigentlich selbst eine akademische Laufbahn an. Das aber, so schrieb er 1934, in den "Erinnerungen eines Berliner Juden", wäre leicht möglich gewesen, wenn er sich nur hätte taufen lassen.

"Das ist in der Form geschehen, dass Schmidt sagte, Herr Doktor für sie gibt es keinen Platz mehr, aber wenn sie sich entschließen könnten, Pünktchen, Pünktchen, Pünktchen, - und diese Pünktchen bedeuten sich taufen zu lassen, dann wäre die Situation eine andere und Eloesser respondiert: ‚Nein, Herr Professor, ich kann mich nicht entschließen.’ Und damit war es mit der Professur vorbei."

Stattdessen wird er Journalist. "Ich habe mich habilitiert", schrieb er dem Vater, "allerdings nicht bei der Universität, sondern bei der ‚Vossischen Zeitung’". Und wird zu einer Institution. Mit dem Theaterkritiker Eloesser sei er "buchstäblich aufgewachsen" erinnerte sich Viktor Klemperer später.

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten aber ist die Karriere von Arthur Eloesser bald beendet. Bis 1934 erscheint er in der "Vossischen Zeitung" noch unter Kürzel. Er wird einer der Initiatoren des jüdischen Kulturbundes, schreibt für die jüdische Rundschau und denkt offenbar auch über Auswanderung nach, vermutet Horst Olbrich.

"Eloesser verkauft seine große Bibliothek. Es gibt einen Versteigerungskatalog aus dem Herbst 1933. Daran kann man sehen, wenn man seine Bibliothek verkauft, dann will man eventuell auch gehen."

1934 reiste Arthur Eloesser nach Palästina und wirbt in einem großen Reisebericht für die Emigration, kommt aber selber bald zurück nach Berlin. Sein Pflichtgefühl gegenüber dem Kulturbund deutscher Juden scheint größer, als der Wunsch zu gehen. Die Erfahrungen in Palästina aber sind für ihn wohl auch eine Reise zu seinen jüdischen Wurzeln, glaubt seine Enkelin Irene Freudenheim:

"Er hat sein Judentum dann mit großer Würde auf sich genommen in der schwierigsten Zeit das Erbe wieder gewonnen, wie er das so ungefähr sagt, zu den alten Wurzeln zurück gekehrt. Es gibt sehr schöne Sätze in einem Brief an Thomas Mann. In Palästina fühlte er sich wie ein Wanderer aus biblischen Zeiten, der zurückgekehrt war zu der Stelle seiner Ahnen."

Die heute 79-Jährige war 1934, als Fünfjährige mit ihren Eltern von Berlin nach Montevideo emigriert, und ist jetzt, extra für die Benennung des Parks, aus Uruguay angereist:

"Wunderbar. Wunderschön. Ein bisschen wild, nicht zu gepflegt, mit schönen Blumen und es gibt auch einen Kinderspielplatz und in der Nähe, wo meine Großeltern gewohnt haben. Ganz in der Nähe, es könnte nicht besser ausgesucht sein."

Im Februar 1938 starb Arthur Eloesser und wurde auf dem Friedhof in Stahnsdorf beerdigt. Für ihren Grabstein hatte sich das Ehepaar eigentlich einen Psalm ausgesucht. "Und wenn es schön war", sollte auf seinem Grabstein stehen. "Dann ist es Mühe und Arbeit gewesen", hätte dann auf dem daneben platzierten Grabstein von Margarethe Eloesser stehen sollen. Dazu kam es nicht mehr. Am 25. Januar 1942 wurde Margarete Eloesser, die auch Gedichte und Kindermärchen geschrieben hatte, deportiert und ermordet. Seit Dienstag erinnert der kleine Park in Berlin an das Ehepaar.
Mehr zum Thema