Im "Redaktionsgespräch" spricht Jenny Genzmer mit Redakteurinnen und Redakteuren über das Programm von Deutschlandradio Kultur. Der Podcast erscheint in zehn Folgen jeden Samstag.
Wie umgehen mit der AfD?
Die AfD sitzt mittlerweile in zehn Landesparlamenten, erhält Ämter und Posten. Was bedeutet das für die Medien und ihren Umgang mit der AfD? Und welchen Weg geht Deutschlandradio Kultur?
Der SWR hat sich vor einem Jahr entschieden, die AfD nicht mehr mit dem Zusatz "rechtspopulistisch" zu versehen, weil sie "mittlerweile bekannt genug" sei. Von einigen Politikern und Medienmachern wurde dieser Schritt scharf kritisiert. Thomas Wiecha, Ressortleiter für die Abteilung Nachrichten beim Deutschlandradio Kultur, sagt im "Redaktionsgespräch", er halte die Entscheidung der Kollegen für mutig. Er glaube auch, dass unsere Hörer, wenn sie ordentlich und anständig informiert werden, in der Lage seien, Parteien einzuordnen.
"Wie beleuchtet man das Phänomen AfD auf dem Weg zu einer Partei? Da sehe ich unsere Aufgabe. Das tun wir in unterschiedlichsten Formen von Berichten, Kommentaren, in etlichen Gesprächen. Was ist geworden aus dieser eurokritischen Partei? Wie ist sie dann zur nationalistischen, national-konservativen Kraft geworden? Das sind Dinge der Einschätzung, die ich durchaus als unseren Programmauftrag sehe", so Wiecha.
Korbinian Frenzel ist unter anderem Moderator der Frühsendung "Studio 9". Er erzählt, dass sich die Redaktion zwischen den beiden Wahlen die Frage gestellt habe, wie es eigentlich sein könne, dass die AfD ankomme, obwohl "alles das, was die Ratio uns mitgibt, also Faktencheck, Argumente und dergleichen, zu Ergebnissen führt, die sagen, die Aussagen der AfD könnten eigentlich niemanden überzeugen, weil sie viel zu einfach sind, unterkomplex, die Situation gar nicht so treffen, wie sie sind und letztendlich auch keine Lösung anbieten".