Das "Wir-Gefühl" in der Nussfabrik
Täglich produzieren sie Trockenobst - Nüsse, Aprikosen, Rosinen. Und die Angestellten von Seeberger, Europas größtem Trocken-früchtehersteller, verdienen in Ulm nicht nur ihr monatliches Gehalt, sondern sie können auch am Umsatz des Unternehmens beteiligt werden. Ein Modell mit Zukunft.
Der Weg in die Produktion der größten europäischen Nuss- und Trockenfrüchtefabrik führt durch einen weiß gekachelten Raum. Jeder muss seine Hände waschen und bekommt ein grünes Häubchen auf den Kopf.
"So, das hier ist die Hygieneschleuse. Wir betreten jetzt den Betriebsbereich."
Marketingchef Joachim Mann führt durch die helle Produktionshalle bei Seeberger: Die stählernen Arme riesiger Industrieroboter greifen unermüdlich auf Paletten mit großen Kisten. "Geröstete Pistazien" steht auf einer Palette, "Walnusskerne" auf der nächsten. Dazwischen Frauen und Männer, die so ähnlich aussehen wie die Schwestern und Pfleger in einem Krankenhaus: Weiße T-Shirts, weiße Hosen und stets das obligatorische Haarnetz auf dem Kopf. Elvira Rupp, Mitte 50, erweckt einen zufriedenen Eindruck. Denn so ein klein wenig ist Seeberger auch ihr Unternehmen.
"Also bei uns ist das so: Wir kriegen jedes Jahr, wenn es gut lief, ein 13. Monatsgehalt. Und die Hälfte davon wird angelegt, das ist ein so genanntes Genussrecht. Und die andere Hälfte bekommen wir ausbezahlt. Und ich find' das eigentlich eine ganz gute Sache, weil ich denke; Man wird irgendwo mitbeteiligt am Umsatz von der Firma. Und man kriegt eine supertolle Verzinsung. Ich denke, das ist schon eine sinnvolle Sache. Das spornt einfach an, ja auch vom Arbeiten her."
Das heißt: Die Hälfte des 13. Monatsgehaltes bleibt, wenn der Mitarbeiter dies wünscht, als so genanntes ‚Genussrecht', im Unternehmen, wird nicht ausbezahlt - der Mitarbeiter erwirbt eine Art Unternehmensanteil. Der verzinst sich in dem Maß, wie Seeberger Gewinne erwirtschaftet. Nach sieben Jahren können sich die Mitarbeiter ihre Unternehmensanteile zuzüglich aller Zinsen auszahlen lassen. Geht die Firma pleite, ist auch ihr Geld weg. Damit ist den Mitarbeitern klar, dass es sich auch für sie persönlich lohnt für ‚ihre' Firma zu arbeiten. Schließlich sind sie über ihre Genussrechte am Gewinn beteiligt. Annett Hertwig hat sich mit ihren 40 Jahren bis zur Gruppenleiterin in der Seeberger-Produktion emporgearbeitet.
"Im Grunde genommen werden wir hier für unsere Jahresleistung belohnt vom Seeberger. Und das find ich ganz toll. Und im Grunde genommen sind wir jeder ein Stück davon. Sonst würde es den Seeberger nicht geben. Das ist auch der Grund, warum auch hier die Arbeitsleistung von den Leuten dementsprechend ist."
Da klingt ein ‚Wir-Gefühl' durch; viele Mitarbeiter fühlen sich zugehörig wie in einer großen Familie. Und der Chef ist das Familienoberhaupt. Elvira Rupp nickt zustimmend mit dem Kopf.
"Also man findet beim Herrn Keller immer ein offenes Ohr, egal, um welche Probleme es sich handelt, und er nimmt sich immer Zeit."
Der Geschäftsführer von Seeberger Ulm, Clemens Keller, sitzt im lichtdurchfluteten Aufenthaltsraum des Fabrikgebäudes - nicht vor Nüssen, sondern vor einer Tasse Kaffee. Um die halbrunde Bar sitzen außerdem zwei Männer und eine Frau, sie schlürfen ganz langsam den Kaffee, stellen bedächtig die Tassen auf die Bar:
"Im Hintergrund findet gerade eine Kaffee-Verkostung statt. Unsere Kaffee-Einkäufer verkosten gerade eingehende Rohwaren-Partien."
Clemens Keller, Anfang 40, hellgrauer Anzug, Krawatte, kurz geschorene Haare ist der jüngste Spross eines Familienunternehmens, das bereits 1844 in der Ulmer Innenstadt gegründet wurde - als Kolonialwarenhandlung und Kaffeerösterei.
"Nach dem Zweiten Weltkrieg hat mein Großvater das Familienunternehmen übernommen und hat damit das zweite Standbein , die Trockenfrüchte und die Nüsse, eingeführt."
Eine gute Entscheidung, denn heute lebt das Unternehmen davon. Im riesigen Warenlager von Seeberger transportieren Gabelstapler Paletten voll mit Pinienkernen, Walnüssen und Rosinen auf- und ab. Marketing-Chef Joachim Mann bestaunt die Paletten, als ob es sich um Goldbarren handelte. Der Wert der Waren, sagt er, geht in den zweistelligen Millionenbereich. Und mit dem Geld, das die Mitarbeiter dem Unternehmen überlassen, kann Seeberger jederzeit nachkaufen. Damit profitieren sowohl die Mitarbeiter als auch das Unternehmen von dem Beteiligungsmodell.
"Es ist definitiv eine klassische Win-Win-Situation. Auf der Bank kriegen Sie im Moment sowieso nichts fürs Geld. Und wir sind darauf angewiesen, diese extrem limitierte Menge an Spitzenqualitäten zu kaufen, wenn sie da ist. Und dann brauch ich eben Geld. Und nicht wenn die Bank sagt: Jetzt kriegst Du welches. Und da ist eben dieses Genussrechtsmodell ideal fürs Unternehmen."
Im Besprechungsraum hat Seeberger-Chef Clemens Keller seine Kaffeeprobe beendet. Er sitzt lässig auf dem Barhocker, erweckt einen entspannten Eindruck: Seit 30 Jahren besteht das Mitarbeiter-Beteiligungsmodell - eine Erfolgsgeschichte.
"Es gibt Jahre, in denen wir schon bis zu zwei zusätzlichen Monatsgehältern an die Mitarbeiter ausgeschüttet haben. Wir sehen dann auch, dass die Gelder, die nach fünf Jahren grundsätzlich frei zu entnehmen sind vom Mitarbeiter, trotzdem im Unternehmen stehen gelassen. Das sehen wir auch als einen sehr großen Vertrauensbeweis an, weil die Mitarbeiter einfach der Meinung sind: Die Gelder sind im Unternehmen gut angelegt, indem ich auch meinen Beitrag dazu leiste, dass das Unternehmen erfolgreich ist."
Neuerdings werben viele mittelständische Unternehmen um Beteiligungen und geben Genussrechte an Mitarbeiter und Kunden aus. Bio-Bäcker sind genauso darunter wie Hersteller von Windkraftanlagen.
Nicht nur die Unternehmer, auch die Anleger besinnen sich in Krisenzeiten auf alte Werte.
"So, das hier ist die Hygieneschleuse. Wir betreten jetzt den Betriebsbereich."
Marketingchef Joachim Mann führt durch die helle Produktionshalle bei Seeberger: Die stählernen Arme riesiger Industrieroboter greifen unermüdlich auf Paletten mit großen Kisten. "Geröstete Pistazien" steht auf einer Palette, "Walnusskerne" auf der nächsten. Dazwischen Frauen und Männer, die so ähnlich aussehen wie die Schwestern und Pfleger in einem Krankenhaus: Weiße T-Shirts, weiße Hosen und stets das obligatorische Haarnetz auf dem Kopf. Elvira Rupp, Mitte 50, erweckt einen zufriedenen Eindruck. Denn so ein klein wenig ist Seeberger auch ihr Unternehmen.
"Also bei uns ist das so: Wir kriegen jedes Jahr, wenn es gut lief, ein 13. Monatsgehalt. Und die Hälfte davon wird angelegt, das ist ein so genanntes Genussrecht. Und die andere Hälfte bekommen wir ausbezahlt. Und ich find' das eigentlich eine ganz gute Sache, weil ich denke; Man wird irgendwo mitbeteiligt am Umsatz von der Firma. Und man kriegt eine supertolle Verzinsung. Ich denke, das ist schon eine sinnvolle Sache. Das spornt einfach an, ja auch vom Arbeiten her."
Das heißt: Die Hälfte des 13. Monatsgehaltes bleibt, wenn der Mitarbeiter dies wünscht, als so genanntes ‚Genussrecht', im Unternehmen, wird nicht ausbezahlt - der Mitarbeiter erwirbt eine Art Unternehmensanteil. Der verzinst sich in dem Maß, wie Seeberger Gewinne erwirtschaftet. Nach sieben Jahren können sich die Mitarbeiter ihre Unternehmensanteile zuzüglich aller Zinsen auszahlen lassen. Geht die Firma pleite, ist auch ihr Geld weg. Damit ist den Mitarbeitern klar, dass es sich auch für sie persönlich lohnt für ‚ihre' Firma zu arbeiten. Schließlich sind sie über ihre Genussrechte am Gewinn beteiligt. Annett Hertwig hat sich mit ihren 40 Jahren bis zur Gruppenleiterin in der Seeberger-Produktion emporgearbeitet.
"Im Grunde genommen werden wir hier für unsere Jahresleistung belohnt vom Seeberger. Und das find ich ganz toll. Und im Grunde genommen sind wir jeder ein Stück davon. Sonst würde es den Seeberger nicht geben. Das ist auch der Grund, warum auch hier die Arbeitsleistung von den Leuten dementsprechend ist."
Da klingt ein ‚Wir-Gefühl' durch; viele Mitarbeiter fühlen sich zugehörig wie in einer großen Familie. Und der Chef ist das Familienoberhaupt. Elvira Rupp nickt zustimmend mit dem Kopf.
"Also man findet beim Herrn Keller immer ein offenes Ohr, egal, um welche Probleme es sich handelt, und er nimmt sich immer Zeit."
Der Geschäftsführer von Seeberger Ulm, Clemens Keller, sitzt im lichtdurchfluteten Aufenthaltsraum des Fabrikgebäudes - nicht vor Nüssen, sondern vor einer Tasse Kaffee. Um die halbrunde Bar sitzen außerdem zwei Männer und eine Frau, sie schlürfen ganz langsam den Kaffee, stellen bedächtig die Tassen auf die Bar:
"Im Hintergrund findet gerade eine Kaffee-Verkostung statt. Unsere Kaffee-Einkäufer verkosten gerade eingehende Rohwaren-Partien."
Clemens Keller, Anfang 40, hellgrauer Anzug, Krawatte, kurz geschorene Haare ist der jüngste Spross eines Familienunternehmens, das bereits 1844 in der Ulmer Innenstadt gegründet wurde - als Kolonialwarenhandlung und Kaffeerösterei.
"Nach dem Zweiten Weltkrieg hat mein Großvater das Familienunternehmen übernommen und hat damit das zweite Standbein , die Trockenfrüchte und die Nüsse, eingeführt."
Eine gute Entscheidung, denn heute lebt das Unternehmen davon. Im riesigen Warenlager von Seeberger transportieren Gabelstapler Paletten voll mit Pinienkernen, Walnüssen und Rosinen auf- und ab. Marketing-Chef Joachim Mann bestaunt die Paletten, als ob es sich um Goldbarren handelte. Der Wert der Waren, sagt er, geht in den zweistelligen Millionenbereich. Und mit dem Geld, das die Mitarbeiter dem Unternehmen überlassen, kann Seeberger jederzeit nachkaufen. Damit profitieren sowohl die Mitarbeiter als auch das Unternehmen von dem Beteiligungsmodell.
"Es ist definitiv eine klassische Win-Win-Situation. Auf der Bank kriegen Sie im Moment sowieso nichts fürs Geld. Und wir sind darauf angewiesen, diese extrem limitierte Menge an Spitzenqualitäten zu kaufen, wenn sie da ist. Und dann brauch ich eben Geld. Und nicht wenn die Bank sagt: Jetzt kriegst Du welches. Und da ist eben dieses Genussrechtsmodell ideal fürs Unternehmen."
Im Besprechungsraum hat Seeberger-Chef Clemens Keller seine Kaffeeprobe beendet. Er sitzt lässig auf dem Barhocker, erweckt einen entspannten Eindruck: Seit 30 Jahren besteht das Mitarbeiter-Beteiligungsmodell - eine Erfolgsgeschichte.
"Es gibt Jahre, in denen wir schon bis zu zwei zusätzlichen Monatsgehältern an die Mitarbeiter ausgeschüttet haben. Wir sehen dann auch, dass die Gelder, die nach fünf Jahren grundsätzlich frei zu entnehmen sind vom Mitarbeiter, trotzdem im Unternehmen stehen gelassen. Das sehen wir auch als einen sehr großen Vertrauensbeweis an, weil die Mitarbeiter einfach der Meinung sind: Die Gelder sind im Unternehmen gut angelegt, indem ich auch meinen Beitrag dazu leiste, dass das Unternehmen erfolgreich ist."
Neuerdings werben viele mittelständische Unternehmen um Beteiligungen und geben Genussrechte an Mitarbeiter und Kunden aus. Bio-Bäcker sind genauso darunter wie Hersteller von Windkraftanlagen.
Nicht nur die Unternehmer, auch die Anleger besinnen sich in Krisenzeiten auf alte Werte.