Der Bundesadler als Hampelmann
Das Haus der Geschichte in Bonn besitzt mit mehr als 75.000 Zeichnungen eine der größten Karikaturensammlungen zur deutschen Nachkriegsgeschichte. Die Bestände werden jetzt in der Karikaturengalerie des Museums - gegenüber dem Haus der Geschichte an der Willy-Brandt-Allee – untergebracht. Eine Ausstellung zeigt nun rund 100 ausgewählte Zeichnungen und Exponate der deutschen Nachkriegsgeschichte.
Die Karikaturengalerie gliedert sich in drei Abteilungen, das Archiv mit ca. 75.000 Original-Blättern, den Ausstellungsraum und den Eingangs-raum mit der "Adlergalerie".
Ausstellungsleiter Ulrich Op de Hipt: "Das Lieblingssymbol der Karikaturisten ist der Bundesadler als Symbol für Deutschland. Das Staatssymbol ist weit verbreitet. Das hat zur Folge, dass es allgemein bekannt ist, im Ausland auch. Und der Karikaturist schätzt an diesem Staatssymbol, an diesem Adler, natürlich vor allen Dingen das Verfremdungspotential, das in ihm steckt."
Der Bundesadler als Hampelmann im Frack, der Bundesadler als fette Henne oder als Friedenstaube mit Palmzweig im Maul. So zeigen ihn die Karikaturen, im In- und Ausland.
Im leeren Bundestag etwa schaut Helmut Schmidt zusammen mit Hans-Dietrich Genscher 1982 darauf, wundert sich, und sagt "bestimmt wieder so eine Idee vom Kollegen Eppler". Das Vorstandsmitglied der SPD, Erhard Eppler, unterhielt Beziehungen zur Friedensbewegung, die dem ehemaligen Verteidigungsminister und Kanzler Helmut Schmidt nicht gefielen.
Die Karikaturengalerie des Bonner Hauses der Geschichte bietet eine Art Quickstep, einen gezeichneten Schnelldurchgang zur Geschichte der Bundesrepublik in Etappen. Das Zerr- und Spottbild der Karikatur erlaubt manchem Besucher erstmals mit Personen und Themen der deutschen Zeitgeschichte zusammenzutreffen, mit ihnen bekannt zu werden.
Adenauer: "Sie sehen hier Konrad Adenauer mit dem amerikanischen Außenminister Achison. Achison besucht 1949 erstmals die Bundesrepublik, zweifellos ein Erfolg westdeutscher Politik. Ein Erfolg, der Anerkennung belegt."
Der erste Kanzler der Bundesrepublik ist als kleiner Junge im Leichtmatrosenkostüm gezeichnet. Die Karikatur spiegelt das Verhältnis der kleinen, jungen BRD zur Besatzungsmacht. Neben Adenauer sieht man Stalin, wie er auf einem Hundehaus sitzt, es bewacht und quasi be-sitzt. In dem Hundehaus werden Wilhelm Pieck, der Staatspräsident, und Otto Grotewohl, der Ministerpräsident der DDR gehalten. Eine Karikatur über die Kräfte- und Einflussverhältnisse in beiden deutschen Staaten nach dem Krieg.
Es gelingt der Karikaturengalerie neben historischen Ereignissen zugleich auch die Geschichte der Karikatur in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts mit zu zeigen.
Zeitschriften wie der Simplicissimus, die Tarantel, Pardon, Titanic und Eulenspiegel werden ebenso gezeigt wie die unterschiedlichen Stile der Zeichner. Kanzler Kurt Georg Kiesinger und Vizekanzler Willy Brandt als Ehepaar der Großen Koalition 1966, nackt im Paradies unter dem Apfelbaum.
Kiesinger: "Wir sehen klar, dass etwas wie die Große Koalition nur ein vorübergehende Sache ist. Sie kann nicht dauern."
Kiesinger, den sie König Silberzunge in Bonn nannten, und Willy Brandt, der 1987 vom Amt des Parteivorsitzenden zurücktrat.
"Die beiden stehen vor einem Baum, an dem sich eine Schlange runterschlängelt. Die hat einen Brief in der Hand. Darauf steht 'Absender Willi Stoph'. Was ist der Hintergrund? Der Hintergrund ist, dass diese Große Koalition erstmals Kontakte mit der DDR aufnehmen wollte und aufgenommen hat, um menschliche Erleichterungen zu erringen. Was für uns selbstverständlich klingt, war eine Sensation, weil man ja wissen muss, dass die Bundesrepublik die DDR gar nicht anerkannte. Die Aufnahme eines Briefkontaktes wäre interpretierbar gewesen als erster Schritt zur Anerkennung der DDR. Und deshalb diese Schlange, die Schlange der Versuchung, die die Bundesregierung in Versuchung führen könnte."
Auf einer Stechkarre fährt der neue Bundeskanzler Gerhard Schröder den abgewählten Kanzler Helmut Kohl als Stein gewordenes, unbewegliches, kolossales Denkmal durch die offene Tür des Bonner Hauses der Geschichte.
Diese Karikatur von Klaus Pielert aus dem Jahr 1998 zeigt einen Grundzug der Karikatur in unserer Zeit. Sie verzichtet auf Anspielungen literarischer Art, setzt nicht so viel historisches Wissen voraus wie frühere Karikaturen. Sie spielt nur mit dem Abbild und Konterfei gegenwärtiger politischer Personen.
"Sie wendet sich an den Zeitgenossen. Sie setzt voraus, dass der Zeitgenosse alles das, was im Bild auftaucht, kennt. Eine Voraussetzung für die Wirksamkeit de Karikatur. Und das ist für uns natürlich 20, 30 Jahre später oft sehr schwierig nachzuvollziehen."
Die Karikatur ist aber nicht nur der amüsante zeichnerische Begleiter der Tagespolitik. Sie ist auch selber gelegentlich umstritten, wenn es um den Konflikt zwischen Pressefreiheit und Persönlichkeitsschutz geht. Franz Josef Strauß etwa wurde von Rainer Hachfeld 1970 auf einem Plakat in Hakenkreuz-Pose gezeigt. Der Künstler und der Redakteur der abdruckenden Zeitung wurden damals zu 400 Mark Geldstrafe verurteilt.
Inzwischen gehören Ikonen der Karikatur zu unserem politischen Bildinventar. Helmut Schmidt als Lotse oder Helmut Kohl als Birne sind bekannt und verbreitet.
Ulrich Op de Hipt: "”Ich erinnere mich an Karikaturen, die im Zusammenhang mit dem Vereinigungsprozess entstanden sind, und das wird auch bildlich umgesetzt derart, dass der große Leibesumfang genutzt wird, um darin Karten von Bundesrepublik und DDR zuzeigen. Kohl vereinigt also die beiden deutschen Staaten.""
Die Bonner Karikaturengalerie ist zugleich auch ein kleiner Spiegel der Kunst- und Kulturgeschichte der Karikatur in der BRD von 1949 bis heute.
Walter Hanel, einer der bekanntesten lebenden Karikaturisten, bekennt, dass der Künstler und Zeichner Honoré Daumier für ihn ein wichtigesVorbild war, um politischer Karikaturist zu werden.
Walter Hanel: "Ob man viel mit Karikaturen bewegen kann, das wage ich zu bezweifeln. Man kann die Welt nicht damit verändern."
Ausstellungsleiter Ulrich Op de Hipt: "Das Lieblingssymbol der Karikaturisten ist der Bundesadler als Symbol für Deutschland. Das Staatssymbol ist weit verbreitet. Das hat zur Folge, dass es allgemein bekannt ist, im Ausland auch. Und der Karikaturist schätzt an diesem Staatssymbol, an diesem Adler, natürlich vor allen Dingen das Verfremdungspotential, das in ihm steckt."
Der Bundesadler als Hampelmann im Frack, der Bundesadler als fette Henne oder als Friedenstaube mit Palmzweig im Maul. So zeigen ihn die Karikaturen, im In- und Ausland.
Im leeren Bundestag etwa schaut Helmut Schmidt zusammen mit Hans-Dietrich Genscher 1982 darauf, wundert sich, und sagt "bestimmt wieder so eine Idee vom Kollegen Eppler". Das Vorstandsmitglied der SPD, Erhard Eppler, unterhielt Beziehungen zur Friedensbewegung, die dem ehemaligen Verteidigungsminister und Kanzler Helmut Schmidt nicht gefielen.
Die Karikaturengalerie des Bonner Hauses der Geschichte bietet eine Art Quickstep, einen gezeichneten Schnelldurchgang zur Geschichte der Bundesrepublik in Etappen. Das Zerr- und Spottbild der Karikatur erlaubt manchem Besucher erstmals mit Personen und Themen der deutschen Zeitgeschichte zusammenzutreffen, mit ihnen bekannt zu werden.
Adenauer: "Sie sehen hier Konrad Adenauer mit dem amerikanischen Außenminister Achison. Achison besucht 1949 erstmals die Bundesrepublik, zweifellos ein Erfolg westdeutscher Politik. Ein Erfolg, der Anerkennung belegt."
Der erste Kanzler der Bundesrepublik ist als kleiner Junge im Leichtmatrosenkostüm gezeichnet. Die Karikatur spiegelt das Verhältnis der kleinen, jungen BRD zur Besatzungsmacht. Neben Adenauer sieht man Stalin, wie er auf einem Hundehaus sitzt, es bewacht und quasi be-sitzt. In dem Hundehaus werden Wilhelm Pieck, der Staatspräsident, und Otto Grotewohl, der Ministerpräsident der DDR gehalten. Eine Karikatur über die Kräfte- und Einflussverhältnisse in beiden deutschen Staaten nach dem Krieg.
Es gelingt der Karikaturengalerie neben historischen Ereignissen zugleich auch die Geschichte der Karikatur in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts mit zu zeigen.
Zeitschriften wie der Simplicissimus, die Tarantel, Pardon, Titanic und Eulenspiegel werden ebenso gezeigt wie die unterschiedlichen Stile der Zeichner. Kanzler Kurt Georg Kiesinger und Vizekanzler Willy Brandt als Ehepaar der Großen Koalition 1966, nackt im Paradies unter dem Apfelbaum.
Kiesinger: "Wir sehen klar, dass etwas wie die Große Koalition nur ein vorübergehende Sache ist. Sie kann nicht dauern."
Kiesinger, den sie König Silberzunge in Bonn nannten, und Willy Brandt, der 1987 vom Amt des Parteivorsitzenden zurücktrat.
"Die beiden stehen vor einem Baum, an dem sich eine Schlange runterschlängelt. Die hat einen Brief in der Hand. Darauf steht 'Absender Willi Stoph'. Was ist der Hintergrund? Der Hintergrund ist, dass diese Große Koalition erstmals Kontakte mit der DDR aufnehmen wollte und aufgenommen hat, um menschliche Erleichterungen zu erringen. Was für uns selbstverständlich klingt, war eine Sensation, weil man ja wissen muss, dass die Bundesrepublik die DDR gar nicht anerkannte. Die Aufnahme eines Briefkontaktes wäre interpretierbar gewesen als erster Schritt zur Anerkennung der DDR. Und deshalb diese Schlange, die Schlange der Versuchung, die die Bundesregierung in Versuchung führen könnte."
Auf einer Stechkarre fährt der neue Bundeskanzler Gerhard Schröder den abgewählten Kanzler Helmut Kohl als Stein gewordenes, unbewegliches, kolossales Denkmal durch die offene Tür des Bonner Hauses der Geschichte.
Diese Karikatur von Klaus Pielert aus dem Jahr 1998 zeigt einen Grundzug der Karikatur in unserer Zeit. Sie verzichtet auf Anspielungen literarischer Art, setzt nicht so viel historisches Wissen voraus wie frühere Karikaturen. Sie spielt nur mit dem Abbild und Konterfei gegenwärtiger politischer Personen.
"Sie wendet sich an den Zeitgenossen. Sie setzt voraus, dass der Zeitgenosse alles das, was im Bild auftaucht, kennt. Eine Voraussetzung für die Wirksamkeit de Karikatur. Und das ist für uns natürlich 20, 30 Jahre später oft sehr schwierig nachzuvollziehen."
Die Karikatur ist aber nicht nur der amüsante zeichnerische Begleiter der Tagespolitik. Sie ist auch selber gelegentlich umstritten, wenn es um den Konflikt zwischen Pressefreiheit und Persönlichkeitsschutz geht. Franz Josef Strauß etwa wurde von Rainer Hachfeld 1970 auf einem Plakat in Hakenkreuz-Pose gezeigt. Der Künstler und der Redakteur der abdruckenden Zeitung wurden damals zu 400 Mark Geldstrafe verurteilt.
Inzwischen gehören Ikonen der Karikatur zu unserem politischen Bildinventar. Helmut Schmidt als Lotse oder Helmut Kohl als Birne sind bekannt und verbreitet.
Ulrich Op de Hipt: "”Ich erinnere mich an Karikaturen, die im Zusammenhang mit dem Vereinigungsprozess entstanden sind, und das wird auch bildlich umgesetzt derart, dass der große Leibesumfang genutzt wird, um darin Karten von Bundesrepublik und DDR zuzeigen. Kohl vereinigt also die beiden deutschen Staaten.""
Die Bonner Karikaturengalerie ist zugleich auch ein kleiner Spiegel der Kunst- und Kulturgeschichte der Karikatur in der BRD von 1949 bis heute.
Walter Hanel, einer der bekanntesten lebenden Karikaturisten, bekennt, dass der Künstler und Zeichner Honoré Daumier für ihn ein wichtigesVorbild war, um politischer Karikaturist zu werden.
Walter Hanel: "Ob man viel mit Karikaturen bewegen kann, das wage ich zu bezweifeln. Man kann die Welt nicht damit verändern."