Die singende Uni
Mit Beginn des neuen Semesters füllt sich an der Universität Koblenz jeden Mittwochabend wieder der Konzertsaal. Musik- und gesangsbegeisterte Studierende aller Fächer treffen sich zur wöchentlichen Probe des Universitätschors Koblenz. Vor über zehn Jahren als kleine Gruppe entstanden, hat das Ensemble inzwischen bis zu 70 Mitglieder.
50 Studierende stehen breitbeinig im Konzertsaal der Koblenzer Uni und machen sich und ihrer Anspannung Luft.
"”Ts, ts ts, ts ts
Und jetzt im Wechsel!""
Ton- und Taktangeber ist Ron-Dirk Entleutner. Im letzten Jahr hat der Leipziger die Stelle des Universitätsmusikdirektors Koblenz übernommen. Er steht vor den Studierenden und gibt Kommandos. Und die klingen:
"So, so, so, so , so, so, so." Tonleiter
Es ist die erste Probe des Universitätschors Koblenz im neuen Semester. In den nächsten Wochen werden sich bis zu 70 Studierende aller Fachbereiche wieder jeden Mittwochabend treffen, um gemeinsam zu singen. Nach fast drei singfreien Monaten in den Semesterferien. Auch deshalb legt Ron-Dirk Entleutner großen Wert auf Übungen zum körperlichen und stimmlichen Warmwerden.
Ron-Dirk Entleutner: "Natürlich muss ein Einsingen da sein, weil viele singen ja nicht den ganzen Tag, andererseits ist es natürlich für die Leute, die Musik hier studieren, natürlich auch eine Art Studium. Deswegen mach ich das relativ ausführlich."
Tatsächlich sind die wöchentlichen Chorproben kein reines Freizeitangebot der Universität. Viele der Chormitglieder sind Musikstudenten, die später vielleicht selbst einen Chor leiten werden. Für sie die Probe sogar Pflicht.
Ron-Dirk Entleutner: "Das ist immer die Schwierigkeit bei einem Universitätsensemble, dass es immer Leute gibt, die müssen, und wenn man die überzeugen kann irgendwann, dass es gar kein Muss ist, sondern Spaß macht, dann hat man auf jeden Fall was geschafft."
Ron-Dirk Entleutner scheint das zu gelingen. Diese Studentinnen zumindest sind nicht nur dabei, weil es Pflicht ist.
Studierende:
"Warum seid ihr im Chor?
Man muss es ja auch im Studium, aber es macht natürlich auch Spaß.
Ja erstens weil ich es auch muss, aber ich hab auch total große Freude dran, weil ich eben nie so im Chor gesungen habe und das ist einfach mal eine neue Erfahrung
Und du, warum bist du dabei?"
Weil ich früher, ich glaub neun Jahre, im Chor gesungen habe, und das hab ich vermisst. Also zu Hause singe ich auch die ganze Zeit rum und alle sind genervt und jetzt wollte ich mal diese Energie in irgendwelche Bahnen lenken.
Na dann: mal ran an die Noten.
Ron-Dirk Entleutner stellt als ehemaliges Mitglied des Leipziger Thomanerchors und Leiter erfolgreicher Ensembles hohe Ansprüche an seinen Uni-Chor. Bis zum Ende des Semesters müssen die Studierenden den Lobgesang von Felix-Mendelssohn Bartholdy beherrschen.
Entleutner: "Und die Chichester Psalms von Leonard Bernstein. Sehr reizvolle Musik."
Beide Stücke sollen beim traditionellen Semesterabschlusskonzert im Februar aufgeführt werden. Gemeinsam mit dem Jungen Symphonieorchester der Universität. Schon im letzten Juni konnten Chor und Orchester bei den ersten Koblenzer Universitätsmusiktagen mit der "Carmina Burana" überzeugen. Auch im kommenden Sommer soll es ein Konzert geben. Bis dahin allerdings ist noch viel zu tun.
Gut möglich, dass einige Studierende den Ansprüchen des Chors nicht genügen werden. Vielleicht gibt es unter ihnen aber auch große Talente. In den nächsten Wochen will Ron-Dirk Entleutner das in Einzelvorsingen herausfinden. Er plant, die Chorarbeit an der Uni Koblenz weiter aufzubauen. Mit zusätzlichen Ensembles, aber auch mit Konzertreisen. Wie die nach Spanien, vor einigen Wochen. Im Rahmen eines traditionellen Austauschprogramms mit einem Chor aus Granada durften begabte Ensemblemitglieder wie Marco Bamberg mit in den Süden reisen.
Marco Bamberg: "Ja, wir haben uns da mit diesem Chor getroffen, hatten auch ein nettes Kulturprogramm, haben dann verschiedene Sachen, unter anderem Mendelssohn, einstudiert und dann an zwei Abenden sehr schöne Konzerte gegeben. Hat sehr viel Spaß gemacht."
Marco gehört zu den gerade einmal zehn Männern, die zur ersten Chorprobe des Semesters gekommen sind. Sie müssen sich gegen gut 40 Frauen stimmlich behaupten. Gegen Ende der Probe kann sich das durchaus schon hören lassen.
Auch Ron-Dirk Entleutner ist nach zwei Stunden harter Arbeit zufrieden. Die erste Chorprobe war vielleicht noch nicht perfekt. Aber, bei allem Anspruch, hält auch er perfektes Singen nicht für das Wichtigste, das Studierende in und mit dem Unichor lernen sollen.
Ron-Dirk Entleutner: "Es geht eigentlich nur darum, sie sollen Spaß haben. Sie sollen neben dem Studienalltag gerne hier her kommen und gerne Musik machen. Viele fangen erst sehr spät an, überhaupt zu singen und wenn das jetzt nicht geweckt wird in der Zeit, wo die Leute vielleicht neben dem Studium auch noch ein bisschen Zeit haben. Wenn das in dieser Zeit nicht geweckt wird, ich denke später wird das nicht mehr geweckt."
Immer mehr Menschen in Deutschland singen im Chor. In Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft deutscher Chorverbände (ADC) stellt Deutschlandradio Kultur jeden Freitag um 10:50 Uhr im Profil Laienchöre aus der ganzen Republik vor: Im "Chor der Woche" sollen nicht die großen, bekannten Chöre im Vordergrund stehen, sondern die Vielfalt der "normalen" Chöre in allen Teilen unseres Landes: mit Sängern und Sängerinnen jeden Alters, mit allen Variationen des Repertoires, ob geistlich oder weltlich, ob klassisch oder Pop, Gospel oder Jazz und in jeder Formation und Größe.
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Und jetzt im Wechsel!""
Ton- und Taktangeber ist Ron-Dirk Entleutner. Im letzten Jahr hat der Leipziger die Stelle des Universitätsmusikdirektors Koblenz übernommen. Er steht vor den Studierenden und gibt Kommandos. Und die klingen:
"So, so, so, so , so, so, so." Tonleiter
Es ist die erste Probe des Universitätschors Koblenz im neuen Semester. In den nächsten Wochen werden sich bis zu 70 Studierende aller Fachbereiche wieder jeden Mittwochabend treffen, um gemeinsam zu singen. Nach fast drei singfreien Monaten in den Semesterferien. Auch deshalb legt Ron-Dirk Entleutner großen Wert auf Übungen zum körperlichen und stimmlichen Warmwerden.
Ron-Dirk Entleutner: "Natürlich muss ein Einsingen da sein, weil viele singen ja nicht den ganzen Tag, andererseits ist es natürlich für die Leute, die Musik hier studieren, natürlich auch eine Art Studium. Deswegen mach ich das relativ ausführlich."
Tatsächlich sind die wöchentlichen Chorproben kein reines Freizeitangebot der Universität. Viele der Chormitglieder sind Musikstudenten, die später vielleicht selbst einen Chor leiten werden. Für sie die Probe sogar Pflicht.
Ron-Dirk Entleutner: "Das ist immer die Schwierigkeit bei einem Universitätsensemble, dass es immer Leute gibt, die müssen, und wenn man die überzeugen kann irgendwann, dass es gar kein Muss ist, sondern Spaß macht, dann hat man auf jeden Fall was geschafft."
Ron-Dirk Entleutner scheint das zu gelingen. Diese Studentinnen zumindest sind nicht nur dabei, weil es Pflicht ist.
Studierende:
"Warum seid ihr im Chor?
Man muss es ja auch im Studium, aber es macht natürlich auch Spaß.
Ja erstens weil ich es auch muss, aber ich hab auch total große Freude dran, weil ich eben nie so im Chor gesungen habe und das ist einfach mal eine neue Erfahrung
Und du, warum bist du dabei?"
Weil ich früher, ich glaub neun Jahre, im Chor gesungen habe, und das hab ich vermisst. Also zu Hause singe ich auch die ganze Zeit rum und alle sind genervt und jetzt wollte ich mal diese Energie in irgendwelche Bahnen lenken.
Na dann: mal ran an die Noten.
Ron-Dirk Entleutner stellt als ehemaliges Mitglied des Leipziger Thomanerchors und Leiter erfolgreicher Ensembles hohe Ansprüche an seinen Uni-Chor. Bis zum Ende des Semesters müssen die Studierenden den Lobgesang von Felix-Mendelssohn Bartholdy beherrschen.
Entleutner: "Und die Chichester Psalms von Leonard Bernstein. Sehr reizvolle Musik."
Beide Stücke sollen beim traditionellen Semesterabschlusskonzert im Februar aufgeführt werden. Gemeinsam mit dem Jungen Symphonieorchester der Universität. Schon im letzten Juni konnten Chor und Orchester bei den ersten Koblenzer Universitätsmusiktagen mit der "Carmina Burana" überzeugen. Auch im kommenden Sommer soll es ein Konzert geben. Bis dahin allerdings ist noch viel zu tun.
Gut möglich, dass einige Studierende den Ansprüchen des Chors nicht genügen werden. Vielleicht gibt es unter ihnen aber auch große Talente. In den nächsten Wochen will Ron-Dirk Entleutner das in Einzelvorsingen herausfinden. Er plant, die Chorarbeit an der Uni Koblenz weiter aufzubauen. Mit zusätzlichen Ensembles, aber auch mit Konzertreisen. Wie die nach Spanien, vor einigen Wochen. Im Rahmen eines traditionellen Austauschprogramms mit einem Chor aus Granada durften begabte Ensemblemitglieder wie Marco Bamberg mit in den Süden reisen.
Marco Bamberg: "Ja, wir haben uns da mit diesem Chor getroffen, hatten auch ein nettes Kulturprogramm, haben dann verschiedene Sachen, unter anderem Mendelssohn, einstudiert und dann an zwei Abenden sehr schöne Konzerte gegeben. Hat sehr viel Spaß gemacht."
Marco gehört zu den gerade einmal zehn Männern, die zur ersten Chorprobe des Semesters gekommen sind. Sie müssen sich gegen gut 40 Frauen stimmlich behaupten. Gegen Ende der Probe kann sich das durchaus schon hören lassen.
Auch Ron-Dirk Entleutner ist nach zwei Stunden harter Arbeit zufrieden. Die erste Chorprobe war vielleicht noch nicht perfekt. Aber, bei allem Anspruch, hält auch er perfektes Singen nicht für das Wichtigste, das Studierende in und mit dem Unichor lernen sollen.
Ron-Dirk Entleutner: "Es geht eigentlich nur darum, sie sollen Spaß haben. Sie sollen neben dem Studienalltag gerne hier her kommen und gerne Musik machen. Viele fangen erst sehr spät an, überhaupt zu singen und wenn das jetzt nicht geweckt wird in der Zeit, wo die Leute vielleicht neben dem Studium auch noch ein bisschen Zeit haben. Wenn das in dieser Zeit nicht geweckt wird, ich denke später wird das nicht mehr geweckt."
Immer mehr Menschen in Deutschland singen im Chor. In Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft deutscher Chorverbände (ADC) stellt Deutschlandradio Kultur jeden Freitag um 10:50 Uhr im Profil Laienchöre aus der ganzen Republik vor: Im "Chor der Woche" sollen nicht die großen, bekannten Chöre im Vordergrund stehen, sondern die Vielfalt der "normalen" Chöre in allen Teilen unseres Landes: mit Sängern und Sängerinnen jeden Alters, mit allen Variationen des Repertoires, ob geistlich oder weltlich, ob klassisch oder Pop, Gospel oder Jazz und in jeder Formation und Größe.