Ein Abend der Frauen
Brigitte Fassbaender inszeniert an der Oper Frankfurt Richard Strauss’ Oper "Ariadne auf Naxos". Es ist das erste Mal, dass die Mezzosopranistin, die nach ihrem Karriereende als Sängerin 1995 als Regisseurin große Erfolge feiert, in Frankfurt Regie führt.
Es ist ein Abend der Frauen: die Mezzosopranistin Brigitte Fassbaender inszeniert an der Oper Frankfurt Richard Strauss’ Oper "Ariadne auf Naxos". Brenda Rae als Zerbinetta, Claudia Mahnke als Komponist und Camilla Nylund als Ariadne machen den Abend zu einem unvergessenen musikalischen Erlebnis. Die drei Sängerinnen zeigen, was Singen heutzutage bedeutet: Alle drei haben so unverwechselbare, technisch höchst trainierte Stimmen, jede für sich ein berückendes Timbre und jede für sich eine schier unendliche Energie. Brenda Rae und Claudia Mahnke sind darüber hinaus phantastische Stimmschauspielerinnen. Sie können Gefühle komplett in die Stimme legen, vor allem aber können sie sich singend bewegen - und das eben nicht nur in althergebrachten Opernposen.
Brigitte Fassbaender erzählt Richard Strauss "Ariadne auf Naxos" als Geschichte über den eitlen Theaterbetrieb, aus der sie sehr gekonnt und wahrhaftig eine Frauengeschichte entwickelt. Fassbaender, die dafür bekannt, dass sie sich streng an das Libretto hält und weder Aktualisierungen noch Verfremdungen der Stoffe zulässt, erzählt in Frankfurt also auch "nur" die Geschichte: die Story um einen Wiener Neureichen, der sich in seinem Palais eine Aufführung gönnt, die allerdings nicht allzu düster daherkommen und darum mit einer lustigen Tanzeinlage aufgeheitert werden soll. Und die Story der Ariadne, die einsam und von ihrem Verliebten verlassen, eine Art Einsamkeitsliebestod sterben will. Am Ende entsteht ein unterhaltsamer, kluger und subtil witziger Diskurs über die Eitelkeit: die Eitelkeit von Schauspielern und Menschen, die sich mit Kunst schmücken wie mit einem Accessoire. Und die Eitelkeit einer Verletzten, die sich störrisch in ihr Verletztsein verliebt und darüber narzisstisch lebenslänglich gekränkt die Welt vergisst. Während Fassbaender im Vorspiel durch viel operettenhaftes Türenschlagen und leichten Slapstick sehr unterhaltsames Wirrwarr und witziges Tempo erzeugt, entschleunigt sie die Geschichte in der Oper zugunsten einer irritierenden Illusion: die Spiel-im-Spiel-Situation verwischt mit der Realität. Fiktion und Realität verschmelzen zugunsten einer dritten Dimension.
Fassbaender lässt von Johannes Leiacker (Bühne und Kostüme) librettokonform einen Palais bauen: ein riesiges Foyer aus sterilen Sandsteinmauern, glatt, edel, mondän, mit schwarzem Marmorportal, schwarzen Ebenholztüren und einem roten Teppich, auf dem hier und da einige schwarze schlichte Gründerzeitstühle stehen. Eine Art Showteppich, vielmehr der verbreiterte blutrote, liebesrote Ariadnefaden, ragt bis in den Orchestergraben, und er wird - als Wollknäuelversion - die ganze Oper über auch in Nebenhandhandlungen aufgewickelt. Dieses Foyer ist im "Vorspiel" real, in der "Oper" wird es verzerrt: Es wird komplett gespiegelt, d.h. alles steht Kopf, Versatzstücke der Wände werden einzeln aufgestellt und durch extreme Fluchtpunkte perspektivisch verzerrt. Johannes Leiacker typisiert darüber hinaus das Personal über die Kostüme: Commedia dell'arte-Kostüme mit vielen Rhomben, Streifen, dazu weiße Gesichter und kleine Hütchen für die Gauklertruppe, antikisierende Herrschaftsroben für Ariadne und Bacchus.
Sebastian Weigle gibt diesem Spiel eine musikalische Grundierung, ohne die alles nichts wäre: witzig, voller überraschender Gesten, immer subtil illustrativ. Musik und Spiel auf der Bühne gehen Hand in Hand, in Gestik und Tempo, mitunter ist das Orchester Nuancen zu laut, die Stimmen könnten mehr Raum vertragen, weil sie wirklich alles überragen und das ganze Geschehen tragen. Es ist toll zu sehen, wie Brigitte Fassbaender, die Sängerin, die Figuren auf der Bühne sängerisch führt, wie sie gerade in der Koloraturarie der Zerbinetta Musik und Spiel so zusammenbringt, dass man nie den Eindruck hat, hier werde "vorgesungen". Am Ende passt alles: die Musik und auch das intellektuelle Spiel, das Brigitte Fassbaender hier treibt. Lustig, wie sie die eitle Welt des Kunstbetriebs demontiert. Lustig, wie sie Tragödie und Komödie ad absurdum führt. Lustig, wie sie Fiktion und Realität zu einer dritten Wirklichkeit zusammenbringt. Und wirklich klug, wie sie die Raffinesse der Frauen zum Pragmatismus erklärt. Es ist eben immer gut, sich neu zu verlieben, selbst dann, wenn ein Mann wie Theseus einen sitzen lässt.
Brigitte Fassbaender erzählt Richard Strauss "Ariadne auf Naxos" als Geschichte über den eitlen Theaterbetrieb, aus der sie sehr gekonnt und wahrhaftig eine Frauengeschichte entwickelt. Fassbaender, die dafür bekannt, dass sie sich streng an das Libretto hält und weder Aktualisierungen noch Verfremdungen der Stoffe zulässt, erzählt in Frankfurt also auch "nur" die Geschichte: die Story um einen Wiener Neureichen, der sich in seinem Palais eine Aufführung gönnt, die allerdings nicht allzu düster daherkommen und darum mit einer lustigen Tanzeinlage aufgeheitert werden soll. Und die Story der Ariadne, die einsam und von ihrem Verliebten verlassen, eine Art Einsamkeitsliebestod sterben will. Am Ende entsteht ein unterhaltsamer, kluger und subtil witziger Diskurs über die Eitelkeit: die Eitelkeit von Schauspielern und Menschen, die sich mit Kunst schmücken wie mit einem Accessoire. Und die Eitelkeit einer Verletzten, die sich störrisch in ihr Verletztsein verliebt und darüber narzisstisch lebenslänglich gekränkt die Welt vergisst. Während Fassbaender im Vorspiel durch viel operettenhaftes Türenschlagen und leichten Slapstick sehr unterhaltsames Wirrwarr und witziges Tempo erzeugt, entschleunigt sie die Geschichte in der Oper zugunsten einer irritierenden Illusion: die Spiel-im-Spiel-Situation verwischt mit der Realität. Fiktion und Realität verschmelzen zugunsten einer dritten Dimension.
Fassbaender lässt von Johannes Leiacker (Bühne und Kostüme) librettokonform einen Palais bauen: ein riesiges Foyer aus sterilen Sandsteinmauern, glatt, edel, mondän, mit schwarzem Marmorportal, schwarzen Ebenholztüren und einem roten Teppich, auf dem hier und da einige schwarze schlichte Gründerzeitstühle stehen. Eine Art Showteppich, vielmehr der verbreiterte blutrote, liebesrote Ariadnefaden, ragt bis in den Orchestergraben, und er wird - als Wollknäuelversion - die ganze Oper über auch in Nebenhandhandlungen aufgewickelt. Dieses Foyer ist im "Vorspiel" real, in der "Oper" wird es verzerrt: Es wird komplett gespiegelt, d.h. alles steht Kopf, Versatzstücke der Wände werden einzeln aufgestellt und durch extreme Fluchtpunkte perspektivisch verzerrt. Johannes Leiacker typisiert darüber hinaus das Personal über die Kostüme: Commedia dell'arte-Kostüme mit vielen Rhomben, Streifen, dazu weiße Gesichter und kleine Hütchen für die Gauklertruppe, antikisierende Herrschaftsroben für Ariadne und Bacchus.
Sebastian Weigle gibt diesem Spiel eine musikalische Grundierung, ohne die alles nichts wäre: witzig, voller überraschender Gesten, immer subtil illustrativ. Musik und Spiel auf der Bühne gehen Hand in Hand, in Gestik und Tempo, mitunter ist das Orchester Nuancen zu laut, die Stimmen könnten mehr Raum vertragen, weil sie wirklich alles überragen und das ganze Geschehen tragen. Es ist toll zu sehen, wie Brigitte Fassbaender, die Sängerin, die Figuren auf der Bühne sängerisch führt, wie sie gerade in der Koloraturarie der Zerbinetta Musik und Spiel so zusammenbringt, dass man nie den Eindruck hat, hier werde "vorgesungen". Am Ende passt alles: die Musik und auch das intellektuelle Spiel, das Brigitte Fassbaender hier treibt. Lustig, wie sie die eitle Welt des Kunstbetriebs demontiert. Lustig, wie sie Tragödie und Komödie ad absurdum führt. Lustig, wie sie Fiktion und Realität zu einer dritten Wirklichkeit zusammenbringt. Und wirklich klug, wie sie die Raffinesse der Frauen zum Pragmatismus erklärt. Es ist eben immer gut, sich neu zu verlieben, selbst dann, wenn ein Mann wie Theseus einen sitzen lässt.