Wie Corona ein Filmdebüt zerstört hat
04:47 Minuten

Jana Kaesdorf hat viel Zeit und Geld in ihr Dokumentarfilmdebüt „Experiment Sozialismus. Rückkehr nach Kuba“ gesteckt. Doch dann fiel der Kinostart mitten in den ersten Lockdown. Für soloselbstständige Filmschaffende wie sie gibt es kaum Unterstützung.
Ein Exilkubaner kehrt zurück. Er will sehen, wie sich sein Land verändert hat. "Experiment Sozialismus. Rückkehr nach Kuba" heißt Jana Kaesdorfs Dokumentarfilmdebüt. Mehrere Wochen hat Kaesdorf auf Kuba gedreht, lange an dem Film gearbeitet. Die Vorpremiere in einem Berliner Kino machte ihr große Hoffnung. Kaesdorf blickt zurück:
"Das war der Wahnsinn für mich, weil der Film dort neun Mal vor offiziellem Kinostart lief. Das Kino war sehr oft ausverkauft und ich war als Regisseurin dreimal dort anwesend für Publikumsgespräche. Das war ein super Start mit großen Hoffnungen. Und der offizielle Kinostart sollte im April sein. Und dann wissen wir ja alle, was passiert ist."
"Das ist im Grunde ein Genickbruch gewesen"
Nämlich der erste Lockdown. Der Kinostart wurde verschoben – auf August. Und Kino unter Corona-Bestuhlung heißt: Nur jeder vierte Kinosessel wird belegt. Das heißt auch: drei Viertel weniger Umsatz für die Kinos, aber eben auch für die Filmemacher.
"Finanziell katastrophal", sagt Kaesdorf, "weil natürlich die Kosten, um überhaupt erst mal ins Kino zu kommen, inklusive Marketing, Distribution und allem, was dranhängt, wahnsinnig hoch sind. Das ist im Grunde ein Genickbruch gewesen."
Und anders als die Kinos profitieren selbstständige Dokumentarfilmer kaum von den Rettungspaketen der Regierung. Kaesdorf erklärt: "Ich bin der Meinung, dass das ein bisschen unter den Tisch gefallen ist bei den anfänglichen Hilfspaketen und ich hoffe, dass das jetzt nachgeholt wird, dass nicht nur auf die Kinos geblickt wird."
Und anders als die Kinos profitieren selbstständige Dokumentarfilmer kaum von den Rettungspaketen der Regierung. Kaesdorf erklärt: "Ich bin der Meinung, dass das ein bisschen unter den Tisch gefallen ist bei den anfänglichen Hilfspaketen und ich hoffe, dass das jetzt nachgeholt wird, dass nicht nur auf die Kinos geblickt wird."
Kaum Hilfen für soloselbstständige Filmschaffende
November- und Dezemberhilfen gibt es nur für direkt von den Schließungen betroffene Branchen. Auch beim eigentlich recht weitflächigen Programm "Neustart Kultur", das im Sommer initiiert worden ist, fallen die Dokumentarfilmer durchs Raster, sagt Susanne Binninger, Co-Vorsitzende der AG DOK, dem Berufsverband der Dokumentarfilmer:
"Für verschiedenste Sparten wurden dort Programme aufgesetzt. Und für Film und Kino finden sich da ganz viele Hilfsmaßnahmen. Es gibt den Ausfallfonds für geförderte Produktionen. Diese Hilfen treffen aber entweder wirklich Produktionsfirmen oder sie sind für Kinos bereitgestellt. Dann gibt es spezielle Fonds für Übersetzer*innen, für Tänzer*innen, aber es gibt nichts für soloselbstständige Filmschaffende."
"Für verschiedenste Sparten wurden dort Programme aufgesetzt. Und für Film und Kino finden sich da ganz viele Hilfsmaßnahmen. Es gibt den Ausfallfonds für geförderte Produktionen. Diese Hilfen treffen aber entweder wirklich Produktionsfirmen oder sie sind für Kinos bereitgestellt. Dann gibt es spezielle Fonds für Übersetzer*innen, für Tänzer*innen, aber es gibt nichts für soloselbstständige Filmschaffende."
Und wenn die soloselbstständigen Dokumentarfilmschaffenden doch irgendeine Maßnahme finden, die auf sie passt, dann ersetzt diese Maßnahme oft nur Fixkosten. Binninger erklärt:
"Das heißt: Bürokosten, Atelierkosten, Lizenzgebühren für Softwareprogramme, meinetwegen Autos, wenn man sie denn hat etc. Das fällt bei uns schon mal meistens nicht an, da wir zu Hause sitzen im Homeoffice und vielleicht gerade mal einen Computer und ein Handy haben."
Kaum noch Chance auf einen kommerziellen Erfolg
Mit 42 Kopien lief Jana Kaesdorfs Film in den Kinos – verspätet und vor verkleinertem Corona-Publikum. Dann kam der zweite Lockdown. Und auch andere Produktionen werden geschoben, warten auf ihre Premiere. Für "Experiment Sozialismus" sieht Kaesdorf kaum noch eine Möglichkeit, zumindest nicht im Kino:
"Dass sich der Film etabliert und auch in weiteren, kleineren und größeren Kinos gezeigt wird, fällt komplett flach. Weil es ja mittlerweile wieder einen neuen Filmstau gibt. Und was haben wir da noch für eine Chance, mit diesem Film weiterzukommen, wenn er schon einmal lief für ein paar Monate?"
Letzte Hoffnung: Streamingdienste
"Experiment Sozialismus" kann nun bei Amazon geschaut werden. Für Jana Kaesdorf die einzige Möglichkeit, wenigstens noch ein bisschen Geld damit zu verdienen:
"So können wir das Publikum noch erreichen mit unserem Thema. Aber auch da müssen wir sagen: Die klassische Werbung, wie sie im Kino möglich ist mittels Kinoplakat – also Leute gehen am Plakat vorbei und denken: 'Ach, den kann ich mir mal anschauen.' – fällt seit Monaten flach. Wir müssen unsere komplette Marketingstrategie umstellen."
Und Susanne Binninger erklärt: "Da wirkt Corona wie ein Brennglas. Also diese Frage, ob Onlinedistribution und Onlineauswertungen das Modell der Zukunft sind, wird jetzt knallhart gestellt."
"So können wir das Publikum noch erreichen mit unserem Thema. Aber auch da müssen wir sagen: Die klassische Werbung, wie sie im Kino möglich ist mittels Kinoplakat – also Leute gehen am Plakat vorbei und denken: 'Ach, den kann ich mir mal anschauen.' – fällt seit Monaten flach. Wir müssen unsere komplette Marketingstrategie umstellen."
Und Susanne Binninger erklärt: "Da wirkt Corona wie ein Brennglas. Also diese Frage, ob Onlinedistribution und Onlineauswertungen das Modell der Zukunft sind, wird jetzt knallhart gestellt."