Farbige Heilung
Wunden kontrollieren ohne das Pflaster zu wechseln - der Prototyp eines neuen Verbands soll es möglich machen. Ein integrierter Sensorstreifen verfärbt sich je nach ph-Wert der darunterliegenden Haut und kann so vor Infektionen warnen.
Heike Liermann: "Ich arbeite ja der mobilen Tagespflege. Und wo ich dann morgens hinkomme ... es ist ja nicht nur Frühstück machen, sondern es geht natürlich auch immer um eine medizinische Versorgung. Und da muss ich Verbände erneuern.
Und so nach chronischen Geschichten wie Decubitus, oder wenn die mal hingefallen sind, wenn ich die dann morgens sehe, so ein Indikationspflaster, das würde mir die Arbeit schon sehr erleichtern. Das sind ja Leute, die sehe ich einmal am Tag fünf Minuten. Ich habe ja gar nicht den Tagesablauf, sondern ich habe die vor 24 Stunden das letzte Mal gesehen. Und es wäre eine große Erleichterung, wenn ich schon am Pflaster sehen könnte, ob da eine Infektion drunter wäre."
Die Arbeitserleichterung, von der die Berliner Altenpflegerin Heike Liermann spricht, ist schon da. Zumindest gibt es den intelligenten Wundverband, der eine Wundinfektion per Farbänderung anzeigen kann, als Prototyp. Entwickelt wurde der Indikatorverband am Münchner Fraunhofer-Institut für modulare Festkörper-Technologien, kurz: EMFT. Von dort Sabine Trupp, wissenschaftliche Mitarbeiterin an diesem Projekt:
"Also in dem Verband ist ein Sensorstreifen integriert, der mit einem Indikatorfarbstoff ausgestattet ist. Und der Farbstoff reagiert auf bestimmte Änderungen der Zusammensetzung der Wundflüssigkeit. Also er erkennt diese Analyten in der Wunde, die eben darauf hinweisen können, dass eine Infektion zum Beispiel stattgefunden hat, oder im Begriff ist stattzufinden."
Der Sensorstreifen dieses intelligenten Wundverbandes besteht aus einem Azofarbstoff. Dieser synthetische Farbstoff wird vielfach verwendet, etwa als Lebensmittelfarbe, oder in der Medizin zum Anfärben von Krebszellen. Grundsätzlich sind Azofarbstoffe sogenannte Säure-Base-Indikatoren, die ihre Farbtiefe verändern können. Wie das genau beim intelligenten Wundverband funktioniert, erklärt Gerhard Mohr, Wissenschaftler am EMFT:
"Also grundsätzlich ist es so, dass der Wundheilungsprozess vom ph-Wert abhängt. Das heißt, dass zum Beispiel, wenn die Wunde eher sauer ist, dass die Wundheilung vielleicht zehnmal schneller abläuft, als wenn die Wunde zu basisch ist. Und das kann man natürlich mit dem Verbandsmaterial auch überprüfen."
In der Regel weisen gesunde Haut und abgeheilte Wunden einen PH-Wert von unter 5 auf. Verändert sich dieser Wert nach oben, so bewegt er sich vom sauren zum alkalischen Bereich, sprich: Es ist zu Komplikationen in der Wunde gekommen. Der intelligente Wundverband zeigt bei einem ph-Wert zwischen 6,5 und 8,5 dieses meist infektiöse Geschehen mit einem Farbwechsel von gelb zu violett an.
Sabine Trupp: "Das heißt, der integrierte Indikatorfarbstreifen reagiert mit den Protonen in der Wundflüssigkeit. Und wenn die Reaktion des Indikators mit den Protonen stattfindet, wird eine Veränderung der Eigenschaften des Farbstoffs hervorgerufen."
Ein wesentlicher Punkt bei der Entwicklung des Indikatorwundverbandes war, dass der Farbstoff nicht in die Wunde kommen kann, und dort zu weiteren Komplikationen führt.
Sabine Trupp: "Also in keinem Fall ist die Gefahr gegeben, weil unser Prinzip darauf basiert, dass der Farbstoff stabil chemisch an das Verbandsmaterial gebunden ist. Das heißt, es existiert wie in Molekülen auch eine echte chemische Bindung. Daher kann ein Austragen des Farbstoffs in die Wunde auf keinen Fall passieren."
Dieser Verband, sagen die Forscher, wird zu den intelligenten Wundverbänden kommen, die schon auf dem Markt sind, oder bald eingeführt werden. Mit ihnen kann der Arzt eine Art "Wundmanagement" durchführen.
Gerhard Mohr: "Dass man aktives Wundverbandsmaterial einsetzt, ist inzwischen schon durchaus üblich. Man kann sagen, ich kaufe jetzt ein Verbandsmaterial, das soll mir die Wunde ein bisschen saurer machen, dass die Wundheilung besser abläuft. Aber ich weiß ja gar nicht, ob das über zwei Tage hinweg so funktioniert? Aber wenn der Sensorfarbstoff drauf ist, dann sagt der mir ok, das System ist immer noch ein bisschen sauer, und die Wundheilung kann immer noch gut ablaufen."
Denkbar ist auch, dass in Zukunft optische Sensormodule im Verband den PH-Wert und andere Parameter messen, und die Daten an ein Lesegerät senden. Doch bei aller Verbandsintelligenz, Sensortechnologie und Additiva ist eines sicherlich auch in Zukunft immer notwendig.
Heike Liermann: "Man verlässt sich dann auf die Farbe eines Pflasters, statt auf seinen guten Menschenverstand. Es kann immer noch sein, dass der Patient sehr wohl eine Infektion hat und das Pflaster kaputt ist oder es diesen Bakterienstamm nicht anzeigt, dass ausgerechnet da es nicht funktioniert. Also eine sorgfältige Pflege beschränkt sich ja nicht nur darauf ein Pflaster zu wechseln."
Und so nach chronischen Geschichten wie Decubitus, oder wenn die mal hingefallen sind, wenn ich die dann morgens sehe, so ein Indikationspflaster, das würde mir die Arbeit schon sehr erleichtern. Das sind ja Leute, die sehe ich einmal am Tag fünf Minuten. Ich habe ja gar nicht den Tagesablauf, sondern ich habe die vor 24 Stunden das letzte Mal gesehen. Und es wäre eine große Erleichterung, wenn ich schon am Pflaster sehen könnte, ob da eine Infektion drunter wäre."
Die Arbeitserleichterung, von der die Berliner Altenpflegerin Heike Liermann spricht, ist schon da. Zumindest gibt es den intelligenten Wundverband, der eine Wundinfektion per Farbänderung anzeigen kann, als Prototyp. Entwickelt wurde der Indikatorverband am Münchner Fraunhofer-Institut für modulare Festkörper-Technologien, kurz: EMFT. Von dort Sabine Trupp, wissenschaftliche Mitarbeiterin an diesem Projekt:
"Also in dem Verband ist ein Sensorstreifen integriert, der mit einem Indikatorfarbstoff ausgestattet ist. Und der Farbstoff reagiert auf bestimmte Änderungen der Zusammensetzung der Wundflüssigkeit. Also er erkennt diese Analyten in der Wunde, die eben darauf hinweisen können, dass eine Infektion zum Beispiel stattgefunden hat, oder im Begriff ist stattzufinden."
Der Sensorstreifen dieses intelligenten Wundverbandes besteht aus einem Azofarbstoff. Dieser synthetische Farbstoff wird vielfach verwendet, etwa als Lebensmittelfarbe, oder in der Medizin zum Anfärben von Krebszellen. Grundsätzlich sind Azofarbstoffe sogenannte Säure-Base-Indikatoren, die ihre Farbtiefe verändern können. Wie das genau beim intelligenten Wundverband funktioniert, erklärt Gerhard Mohr, Wissenschaftler am EMFT:
"Also grundsätzlich ist es so, dass der Wundheilungsprozess vom ph-Wert abhängt. Das heißt, dass zum Beispiel, wenn die Wunde eher sauer ist, dass die Wundheilung vielleicht zehnmal schneller abläuft, als wenn die Wunde zu basisch ist. Und das kann man natürlich mit dem Verbandsmaterial auch überprüfen."
In der Regel weisen gesunde Haut und abgeheilte Wunden einen PH-Wert von unter 5 auf. Verändert sich dieser Wert nach oben, so bewegt er sich vom sauren zum alkalischen Bereich, sprich: Es ist zu Komplikationen in der Wunde gekommen. Der intelligente Wundverband zeigt bei einem ph-Wert zwischen 6,5 und 8,5 dieses meist infektiöse Geschehen mit einem Farbwechsel von gelb zu violett an.
Sabine Trupp: "Das heißt, der integrierte Indikatorfarbstreifen reagiert mit den Protonen in der Wundflüssigkeit. Und wenn die Reaktion des Indikators mit den Protonen stattfindet, wird eine Veränderung der Eigenschaften des Farbstoffs hervorgerufen."
Ein wesentlicher Punkt bei der Entwicklung des Indikatorwundverbandes war, dass der Farbstoff nicht in die Wunde kommen kann, und dort zu weiteren Komplikationen führt.
Sabine Trupp: "Also in keinem Fall ist die Gefahr gegeben, weil unser Prinzip darauf basiert, dass der Farbstoff stabil chemisch an das Verbandsmaterial gebunden ist. Das heißt, es existiert wie in Molekülen auch eine echte chemische Bindung. Daher kann ein Austragen des Farbstoffs in die Wunde auf keinen Fall passieren."
Dieser Verband, sagen die Forscher, wird zu den intelligenten Wundverbänden kommen, die schon auf dem Markt sind, oder bald eingeführt werden. Mit ihnen kann der Arzt eine Art "Wundmanagement" durchführen.
Gerhard Mohr: "Dass man aktives Wundverbandsmaterial einsetzt, ist inzwischen schon durchaus üblich. Man kann sagen, ich kaufe jetzt ein Verbandsmaterial, das soll mir die Wunde ein bisschen saurer machen, dass die Wundheilung besser abläuft. Aber ich weiß ja gar nicht, ob das über zwei Tage hinweg so funktioniert? Aber wenn der Sensorfarbstoff drauf ist, dann sagt der mir ok, das System ist immer noch ein bisschen sauer, und die Wundheilung kann immer noch gut ablaufen."
Denkbar ist auch, dass in Zukunft optische Sensormodule im Verband den PH-Wert und andere Parameter messen, und die Daten an ein Lesegerät senden. Doch bei aller Verbandsintelligenz, Sensortechnologie und Additiva ist eines sicherlich auch in Zukunft immer notwendig.
Heike Liermann: "Man verlässt sich dann auf die Farbe eines Pflasters, statt auf seinen guten Menschenverstand. Es kann immer noch sein, dass der Patient sehr wohl eine Infektion hat und das Pflaster kaputt ist oder es diesen Bakterienstamm nicht anzeigt, dass ausgerechnet da es nicht funktioniert. Also eine sorgfältige Pflege beschränkt sich ja nicht nur darauf ein Pflaster zu wechseln."