Birds of Passage
Kolumbien, Dänemark, Mexiko, 2018
Regie: Ciro Guerra, Cristina Gallego
Darsteller: Carmiña Martínez, Natalia Reyes, José Acosta, Jhon Narváez u.a.
Länge: 125 Min.
FSK: 12
Geschichte des Drogenhandels als dunkles Märchen
07:27 Minuten
Der kolumbianische Regisseur Ciro Guerra und Co-Regisseurin Cristiana Gallego erzählen in "Birds of Passage" von einem indigenen kolumbianischen Familienclan, der den Drogenhandel in Kolumbien begründet, für den das Land dann berühmt wie berüchtigt wurde.
Rapayet, ein indigener Wayuu aus dem Norden Kolumbiens, möchte Zaida zur Frau haben, aber er kann den Brautpreis, bestehend aus 30 Ziegen, 20 Kühen, zwei Maultieren und den Halsketten, nicht bezahlen. Dann begegnen ihm in diesem Jahr 1968 junge US-Amerikaner, die gegen den Kommunismus kämpfen, aber vor allem scharf sind auf Marihuana. So ist Rapayets Geschäftsidee geboren, seine Eheschließung mit Zaida gesichert und die Grundlage eines Drogenimperiums gelegt, das die Clans der Wayuu zu Macht und Reichtum kommen lässt.
Doch, wie es die Logik des Geschäfts, vielleicht die des Menschen, in jedem Fall aber die des Kinos will, tritt grenzenlose Gier hinzu, und damit entsteht der Zwist in der indigenen Gemeinschaft.
Das Drama vom Abstieg ins Chaos beginnt. Das traditionelle Leben der Wayuu ist so dem Untergang geweiht und Rapayet und seine Familie fallen unwiederbringlich in den Abgrund.
Besondere Farbdramaturgie
Magische Bilder, getränkt in pittoresken Farben, am Anfang. Dann, mit der Höllenfahrt, immer fahler, lebloser, wie ausgeblichen – das ist die Farbdramaturgie von "Birds of Passage".
Wunderbar, wie sich hier die Geschichte einer Familie mit der ethnografischen Erzählung über eine Kultur verbindet. Die wiederum verwoben mit einem Mafiafilm. Natürlich liegt die Erinnerung an Coppolas "Paten"-Epos nahe, dieser anderen großen Familienoper.
Doch der Unterschied liegt darin, dass Ciro Guerra und Cristina Gallego von einer matriarchalisch geprägten Kultur erzählen, in der die Männer am Ende zwar das Schmutzige erledigen, das Morden, die Schießereien. Doch Ursula, die Chefin des Clans, hat von Anfang an dem Drogenhandel ihren Segen gegeben. Und der Versuch, die Familie am Ende zusammenzuhalten, ist nur noch leeres Ritual, das wie ein Relikt aus alten Zeiten wirkt.
Das Fazit
Großartig, wie "Birds of Passage" gelingt, diese Elemente in dieser Story über den unseligen Zusammenprall von Tradition und Moderne zusammenzufügen. Und all die Pablo-Escobar-Filme und "Narcos"-Serien, die man mit ihren ganzen Drogenthriller-Klischees nicht mehr anschauen mag, können diesem Film nicht das Wasser reichen, der die Urgeschichte des Drogenhandels als surreales dunkles Märchen erzählt.