Hohe Kosten für Fahrschüler
Digitale Theorieprüfung für den Führerschein © picture alliance / dpa-Zentralbild / Bernd Wüstneck
Wie der Führerschein wieder günstiger werden könnte

Kfz-Führerscheine werden immer teurer. Die zunehmende Komplexität des Verkehrs, Inflation und Personalmangel treiben die Kosten. Zudem fallen immer mehr Fahrschüler durch die Prüfungen. Wie könnte der Führerschein wieder erschwinglich werden?
Immer weniger Menschen machen in jungen Jahren einen Pkw-Führerschein: Die Zahl derjenigen, die spätestens mit 24 Jahren einen Führerschein ihr Eigen nennen können, ist in den vergangenen 10 Jahren um 14 Prozent gefallen.
Ein zentraler Punkt dabei sind die Kosten, denn die Preise der Fahrschulen sind stark gestiegen. Fahrschüler fallen zudem wesentlich häufiger durch die Prüfungen. Wie könnte man gegensteuern?
Inhalt
Kostentreiber Nummer 1: Hohe Durchfallquote
Die steigende Durchfallquote treibt die Kosten beim Kfz-Führerscheinerwerb deutlich in die Höhe: Bei der praktischen Prüfung betrugt sie im Jahr 2024 nach Angaben des TÜV-Verbands mehr als ein Drittel (37 Prozent), bei der theoretischen sogar fast die Hälfte (45 Prozent). 2015 lag die Durchfallquote nach Zahlen des Kraftfahrbundesamtes in der praktischen Prüfung noch bei 31 Prozent und in der Theorieprüfung bei 35 Prozent.
Auch mehrfaches Scheitern ist heute keine Seltenheit. Zwei von fünf Theorieprüfungen fürs Auto waren 2024 ein Wiederholungsversuch. Damit nicht genug: Bei Wiederholungsprüfungen scheitern zudem anteilig mehr Schülerinnen und Schüler als beim ersten Versuch.
Besser schneiden in den Prüfungen hingegen Unter-18-Jährige ab. Oftmals sei ihre Motivation besonders hoch, weil sie den Führerschein für einen Ausbildungsplatz brauchen, erklärt Richard Goebelt vom TÜV-Verband. Dagegen ist bei den 18- bis 24-Jährigen die Quote so hoch wie in keiner anderen Altersgruppe. Hier fällt mehr als jeder Zweite (52 Prozent) durch die Theorieprüfung fürs Auto.
Fahrschüler haben heutzutage zudem mehr Schulungsbedarf: Fahrlehrer André Stache aus dem sächsischen Löbau sagt, dass Schülerinnen und Schüler bei ihm im Durchschnitt etwa doppelt so viele Übungsfahrten brauchen als vor rund 20 Jahren.
Kostentreiber Nummer 2: Inflation und Fahrlehrermangel
Die Preise für die Dienstleistungen rund um den Erwerb des Führerscheins sind deutlich gestiegen: Nach Angaben des ADAC kostet ein Autoführerschein inzwischen 2.500 bis 4.400 Euro. Die Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände rechnete 2024 mit 2.800 bis 3.500 Euro. Günstiger sei es meist auf dem Land, weil dort zum Beispiel der Verkehr überschaubarer sei als in Städten.
Im Vergleich zu 2020 stiegen die Preise für Fahrschule und Fahrprüfungen doppelt so stark wie die Verbraucherpreise. Fahrstunden kosten zwischen 50 und 100 Euro pro Einheit – je nach Fahrschule. Die theoretische Prüfung kostet pro Versuch 25 Euro, die praktische 130 Euro. Wer durch die praktische Prüfung fällt, muss im Regelfall zudem weitere Fahrstunden nehmen, was weitere Kosten verursacht.
Neben der allgemeinen Inflation gibt es einen weiteren Kostentreiber: Es fehlt an Fahrlehrerinnen und Fahrlehrern. Im Ringen um Angestellte überböten sich die Fahrschulen gegenseitig bei den Gehältern, heißt es von Fahrschulbesitzern. Das schlägt auf die Preise.
Warum fallen so viele Menschen durch die Prüfungen?
Einen Grund für die hohe Durchfallquote bei Führerscheinprüfungen sieht der TÜV-Verband im komplexeren Verkehrsaufkommen. „In den letzten 10 Jahren sind ungefähr eine Million Kraftfahrzeuge auf den Straßen hinzugekommen“, sagt Richard Goebelt - zudem neue Fahrzeuge wie E-Scooter, außerdem auch mehr Fahrräder, vor allem in städtischen Gebieten.
Hinzu kommt, dass junge Menschen weniger Erfahrung im Straßenverkehr haben. Wer viel mit dem Fahrrad unterwegs ist oder einen Moped-Führerschein besitzt, sei besser vorbereitet als diejenigen, die viel im Elterntaxi sitzen oder als Beifahrer vor allem aufs Handy starren, heißt es vom TÜV-Verband.
Auch die Autos werden immer komplexer. „Die Fahrschulwagen, in denen früher ausgebildet wurde, waren normale Verbrenner mit doppelter Fußpedalanlage“, so Fahrlehrer André Stache. „Inzwischen sind sie rollende Computer mit zahlreichen technischen Finessen, die das Fahren erleichtern und die Sicherheit erhöhen sollen.“ Doch auch deren Bedienung muss erlernt werden.
Weiteres Problem: lange Wartezeiten auf Prüfungstermine. Als Grund dafür wird der zunehmende Mangel an Prüfern gesehen. Fahrschulinhaber Dirk Mattes sagt, es könnten durchaus zwei Monate zwischen letzter Fahrstunde und Prüfung liegen. Da hätten viele Fahrschülerinnen und -schüler schon wieder eine ganze Menge vergessen, wollten dann aber häufig nicht mehr ausreichend Fahrstunden nehmen.
Ganz unschuldig an den vielen vergeigten Prüfungen sind aber auch die Fahrschulen wohl nicht. Der TÜV-Verband bemängelt, viele testeten vor der Prüfung nicht, wie gut die Theoriekenntnisse der Fahrschülerinnen und -schüler seien.
Manche Fahrschulen bieten besonders günstig erscheinende Pakete an. Die darin enthaltenen Fahrstunden reichen aber meist nicht aus. Dann würden etwa die Sonderfahrten – wie beispielsweise bei Dunkelheit oder auf der Autobahn – zu normalen Fahrstunden, sagt zum Beispiel Koray Tas, Inhaber einer Fahrschule in Berlin.
Wie versuchen Prüflinge zu tricksen?
Immer mehr Fahrschülerinnen und -schüler greifen auch auf unerlaubte Mittel zurück. Die Zahl der Täuschungsversuche nimmt nach Angaben des TÜV-Verbands deutlich zu: Fast 4.200 unerlaubte Tricks seien 2024 registriert worden.
In den vergangenen 5 Jahren habe sich die Zahl verdoppelt – diesen Trend nennt Richard Goebelt vom TÜV-Verband ein Sicherheitsrisiko für den Straßenverkehr.
Häufig nutzten Prüflinge Spickzettel oder unerlaubte Technik wie einen Knopf im Ohr. In jedem vierten Fall gibt sich eine andere Person als Prüfling aus. Fast 60 Prozent der Täuschenden agierten professionell. Mit Ausnahme der strafrechtlich relevanten Stellvertreter-Täuschung werde Betrug jedoch weder als Straftat noch als Ordnungswidrigkeit geahndet.
5 Ideen, um den Führerschein billiger zu machen
Um die Kosten für den Führerschein zu senken, gibt es zahlreiche Vorschläge – einige setzen auch darauf, dass weniger Prüfungen wiederholt werden müssen. Wir stellen 5 davon vor.
Einige der Ideen drehen sich um die Prüfung. So setzt der TÜV-Verband etwa auf einen Pflichttest vor der Prüfungsanmeldung. Der würde zeigen, ob ein Fahrschüler schon prüfungsbereit ist.
Andere – wie Fahrschulinhaber Thorsten Diers – plädieren dafür, die Theorieprüfung zu entschlacken: zum Beispiel, wo Luft- und Ölfilter zu finden sind oder wie viel welcher Anhänger wiegt, dieses Wissen brauche man nicht. Das könnte bei der nächsten Anpassung der Theoriefragen verändert werden. Die findet laut TÜV-Verband alle sechs Monate statt, zuletzt im April 2025. Neue Fahrzeuge wie E-Scooter und neue gesetzliche Regelungen wie die Anpassung des THC-Grenzwerts flössen ein.
Ein durchaus kontroverser Vorschlag ist der Fahrsimulator, an dem Schüler beispielsweise das Anfahren, Schalten oder Bremsen üben, bevor sie in den Verkehr dürfen. Eine Stunde am Simulator kostet meist maximal die Hälfte der Kosten für einen Fahrlehrer.
Einige Fahrlehrer sind jedoch skeptisch. André Stache meint, der Fahrsimulator würde den Führerschein wegen der Kosten für die Betreuung sogar teurer machen. Der Chef des Fahrschulverbands Sachsen, Peter Losleben, sagt, beim Simulator spielten Gefühle keine Rolle, im Straßenverkehr jedoch eine große.
Ein anderer Ansatz, die Kosten für die Finanzierung des Führerscheins zu senken, ist: möglichst frühes Training, sicher am Straßenverkehr teilzunehmen – und das im Lehrplan verankern, wie es beispielsweise der TÜV-Verband fordert.
Der TÜV-Verband will außerdem die Motivation der Prüflinge steigern – mit einem Mobilitätsgutschein für alle, die die Prüfung auf Anhieb bestehen. Wenn diese im Zusammenhang mit Ausbildung oder Berufseinstieg abgelegt wurde, komme steuerliche Absetzbarkeit von Ausbildungskosten hinzu. Angesichts leerer Kassen sei es aber realistischer, zunächst die Fahrausbildung zu verkürzen, so Richard Goebelt vom TÜV-Verband.
Inwieweit all diese Vorschläge allerdings die Führerschein-Kosten tatsächlich signifikant senken, ist aktuell nicht zu beurteilen. Glaubt man Fahrschulinhaber Thorsten Diers, wird der Schein sogar noch teurer. Es sei „durchaus realistisch“, dass die Kosten für Führerscheinausbildungen in den nächsten drei bis fünf Jahren auf etwa 5.000 bis 7.000 Euro steigen könnten.
abr, pto