In der Hauptstadt des Chaos
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Wahlen? Können wir nicht. Pünktliche S-Bahnen? Auch nicht. Aber cool mit seinen Schwächen umgehen, das kann Berlin, findet Kabarettist Michael Frowin. Wer hätte auch damit rechnen können, dass am 26. September so viele Leute wählen gehen?
150 Prozent oder so Wahlbeteiligung, falsche oder gar keine Stimmzettel, lange Schlangen vor den Wahllokalen bis weit nach 18 Uhr, geschätzte Ergebnisse – bei den Wahlen am 26. September hat Berlin seinem Ruf als Hauptstadt des Chaos wieder einmal alle Ehre gemacht.
Na ja, wer konnte auch damit rechnen, dass so viele Leute wählen gehen würden, nimmt der Kabarettist Michael Frowin die Berliner Verwaltung in Schutz. Der gebürtige Marburger lebt seit Jahren in Berlin, obwohl die Hauptstadt ein hartes Pflaster für Kabarettisten ist.
Kabarett macht die Berliner Politik schon selbst, das muss man als Comedian erst mal toppen. Aber eigentlich weiß man ja vorher, worauf man sich bei dieser Stadt einlässt. Ihr Name sagt es bereits:
"Berlin heißt im Wortstamm auf Slawisch Sumpf oder Morast, und drumherum ist märkischer Sand", erklärt Frowin. "Es ist also eine aus einem Sumpfloch entstandene Stadt, die auf Sand gebaut ist."
Die S-Bahn fährt nicht - ein Dauerthema in der Stadt
Da ist es dann auch kein Wunder, wenn S-Bahnen ständig zu spät oder gar nicht kommen – ein Dauerthema in der Stadt, wie der Kabarettist betont:
"Ich habe gerade Sonntag wieder an der S-Bahn gestanden. Die S-Bahn kam nicht und es kamen abwechselnd die Durchsagen: wegen Weichenstörungen, wegen Verzögerungen im Betriebsablauf und wegen einer polizeilichen Ermittlung", erzählt Frowin. "Da sitzt wahrscheinlich jemand in der Leitstelle und drückt abwechselnd was."
Aber schon cool, wie man in Berlin mit den eigenen Schwächen umgehe, findet der Kabarettist, jetzt mal ganz im Ernst.
"Der Marketingchef der BVG zum Beispiel hat über sein eigenes Unternehmen gesagt: 'Wir sind nicht sauber, wir sind selten pünktlich und 45 Prozent unserer Kunden mögen uns nicht.' Das ist doch sehr offensiv."
Berlin, deine Taxifahrer
Der wahre Geist der Stadt zeigt sich aber in ihren Taxifahrern.
"Ich saß in einem Taxi und vor uns fuhr ein Taxi, darauf stand groß: Ich fahre mit Erdgas. Da sagte der Taxifahrer: Jetzt gucken Se sich det an. Da fährt der mit Erdgas, der will wat für die Umwelt tun. Ick frage Sie mal janz ehrlich: Warum soll ick denn dat machen? Wat macht denn die Umwelt für mich?", erzählt Frowin. "Das ist so ein Denken, was dieser Stadt innewohnt."