Podcast über Frauen in Kriegen
Geflüchtete Frauen aus der Ukraine kommen nachts mit dem Zug in der polnischen Stadt Przemyśl an. Von Kriegen sind Männer und Frauen oft unterschiedlich betroffen. © picture alliance / NurPhoto / Nicolas Economou
"Eine Lücke in der Kriegsberichterstattung”
05:55 Minuten
In dem Podcast "Women in War" behandeln die Journalistinnen Cosima Gill und Julia Leeb Kriege und Konflikte aus einer rein weiblichen Perspektive. Sie wollen Frauen vor Ort zu Wort kommen lassen, die sonst eher nicht in den Nachrichten zu hören sind.
Krieg und Kämpfen gilt vielen als Männersache – doch auch Frauen sind von Kriegen betroffen, wenn auch oft anders als Männer. Die weibliche Perspektive auf das Thema empfanden die Kriegsreporterin Julia Leeb und Cosima Gill, Journalistin mit dem Schwerpunkt Sicherheitspolitik, als vernachlässigt. Um die Sicht und Betroffenheit von Frauen aufzuzeigen, haben sie die Doku-Podcast-Serie “Women in War” für radioeins vom rbb produziert. Am 24. März ist die erste Folge erschienen.
Sie beide hätten bemerkt, “da ist eine Lücke in der Kriegs- und Krisenberichterstattung”, erzählt Gill. Die Idee zu dem Projekt stand schon vor dem Krieg in der Ukraine, nämlich bereits “vor weit über einem Jahr”. Zunächst hätten sie an einer Folge über Afghanistan gearbeitet. In der ersten veröffentlichten Episode des Podcasts geht es aber wegen der aktuellen Entwicklungen um drei Frauen in der Ukraine.
Frauen nicht nur als Opfer zeigen
Eine dieser Frauen ist Olena: Sie ist Ende 30, Mutter von zwei Töchtern und im sechsten Monat schwanger. Dennoch hat sie sich entschieden, zu kämpfen und hat selbst mit der "Ukrainian Women's Guard" Hunderte Frauen an der Waffe ausgebildet.
“Das ist eine Person, an der man einfach merkt, dass eine Multiperspektivität auch wichtig ist, wenn es um Frauen in Konflikten gibt”, sagt die Journalistin. “Das ist auch ein Ziel von unserem Podcast, dass wir Frauen nicht immer nur als Opfer zeigen.”
Genauso wollen sie und Leeb mit dem Projekt auch zeigen, wie Frauen in einem von Krieg betroffenen Land den Alltag am Laufen halten, auch wenn sie in dieser Position oft im Hintergrund stehen. “Wir wollen vor allem die Frauen vor Ort zu Wort kommen lassen, die mitten in den Konflikten und Kriegen stecken, die wir vielleicht sonst eher nicht in den Nachrichten sehen”, betont Gill.
Von Indien bis Mexiko
Andere Konflikte, die der Podcast behandelt, sind beispielsweise die bis heute fortbestehende Hexenverfolgung in Indien und der Drogenkrieg in Mexiko. Nach mehreren Folgen können man “gewisse Muster” erkennen, die sich in den unterschiedlichen Konflikten wiederholen, sagt Gill. Etwa, dass oft eine Rolle spielt, dass Frauen nichts besitzen, sie nicht wirtschaftlich unabhängig sind und sich somit nicht ermächtigen könnten.
(jfr)