Schwabbeliges Geschreibe - Deutsche Romane am Pranger
Der Bielefelder Literaturwissenschaftler Ingo Meyer klagt er über den Verfall des deutschen Romans. Jeder schreibe inzwischen irgendwas, sagte er im Deutschlandradio Kultur.
Der Literaturexperte Ingo Meyer sieht den deutschen Roman in einer existentiellen Krise. Die hatte er zuvor ausführlich im Magazin Merkur beschrieben.
Seit der Jahrtausendwende sei die Form "schwabbelig" geworden, beklagt er. Natürlich gebe es auch relevante Romane, doch: "Das Meiste geht an uns vorbei."
Ein Roman müsse "sinnfällig Totalität suggerieren" und an seinem eigenen Anspruch gemessen werden können. "Das wird selten verstanden", sagt Meyer.
Romane sollten zudem die Diskurse der Gesellschaft nicht nötig haben: "Was abends in den Nachrichten kommt, muss nicht noch unbedingt romanesk aufgearbeitet werden."
Als Therapie empfiehlt Meyer: "Auf keinen Fall mehr Germanistik-Studenten." Und, um der "Überproduktionskrise" zu begegnen: "Weniger ist mehr."