Eine rechte Provokation
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Ein Neonazi wurde im Grab des jüdischstämmigen Musikwissenschaftlers Max Friedlaender beigesetzt. Der für den Friedhof zuständige evangelische Bischof Christian Stäblein bezeichnet das als "entsetzlichen Fehler". Nun werde eine Umbettung geprüft.
Im brandenburgischen Stahnsdorf bei Berlin ist am vergangenen Freitag der Neonazi Henry Hafenmayer beerdigt worden. Das Skandalöse: Der Holocaustleugner wurde im ehemaligen Grab des Musikwissenschaftlers Max Friedlaender beerdigt, der von den deutschen Faschisten wegen seiner jüdischen Herkunft aus seinen Ämtern verdrängt worden war.
Offenbar wurde diese Stelle gezielt ausgewählt, wie Recherchen nahelegen.
Schweres Versagen
Bei der Entscheidung der Kirche handle es sich um einen "entsetzlichen Fehler, für den ich nur um Entschuldigung bitten kann", sagt Christian Stäblein. Als Bischof der evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz ist er für den Südwestkirchhof verantwortlich.
Man müsse zwischen der Bestattung und dem Grabplatz unterscheiden, unterstreicht der Kirchenmann. Erstere sei eine schwierige Entscheidung gewesen, die er selbst "sehr kritisch" sehe. Deswegen habe es auch enge Absprachen mit dem Staatsschutz gegeben. Er selbst habe auch von der Beerdigung gewusst, bei der schließlich bekannte Neonazis und Antisemiten in Stahnsdorf zu Gegend waren.
Die Wahl der Grabstätte ist zudem "ein schweres Versagen", unterstreicht Stäblein. Es sei ein "Unding", diese Stelle, wo noch der Grabstein Friedlaenders steht, ausgewählt zu haben. Nun werde geprüft, ob Hafenmayer umgebettet werden könne.
Kein Anspruch
Der Friedhof in Stahnsdorf ist bei Neonazis beliebt. Deswegen müssten alle Beteiligten "aufgeklärt und geschult seien", so Stäblein, "um an dieser Stelle das Richtige zu tun – eine Ablehnung vorzunehmen, wenn es keinen Anspruch auf die Beerdigung auf diesem Friedhof gibt. Den gab es nicht."
Es gebe zwar den Anspruch, bestattet zu werden, doch nicht die freie Wahl des Friedhofs, erläutert der Bischof.
"Wir als evangelische Kirchen müssen an dieser Stelle in Zukunft sehr viel genauer prüfen", erklärt Stäblein in Bezug darauf, wie zukünftig solche Fälle verhindern werden können. Man hätte viel früher die Absicht der Neonazis begreifen müssen. "Da waren wir unentschuldbar naiv."