100 Tage Menschen bewerten
06:21 Minuten

"Was ein Mensch wert ist, bestimmst Du" – so wirbt Sat. 1 für die neue Staffel „Big Brother“: Das Publikum kann per App die Kandidaten liken und kommentieren. Für den Medienjournalisten Joachim Huber ein noch etwas zäh anzusehendes TV-Experiment.
Zum 20. Jubiläum kehrt das Fernsehformat "Big Brother" zurück zu seinem Ursprung und observiert drei Monate lang keine Promis mehr, sondern echte "Normalos" in einem TV-Container. Was dieses Mal neu ist: Per App kann das Fernsehpublikum die Bewohnerinnen und Bewohner permanent bewerten.
Joachim Huber leitet das Medienressort beim Tagesspiegel und findet das TV-Experiment "interessant", den Auftakt jedoch etwas "zäh". Da in der ersten Sendung zunächst 14 Menschen vorgestellt werden mussten, sei von "mehr Krawall" in der Sendung durch die neue Spielart noch nichts zu merken. Das direkte Bewerten von Menschen sei zudem ein Mechanismus, der längst "zum festen Bestandteil der Mediengesellschaft" gehöre.
Altenpfleger, Bundespolizist oder Studentin?
Weil es sich bei den Kandidaten nicht mehr um B- oder C-Promis handle, sondern um einen Altenpfleger, Bundespolizisten oder eine Studentin, könne sich das Publikum eine unvoreingenommene Meinung zu ihnen bilden, und diese auch wieder ändern. Interessant fand Huber, wie "volatil" diese Urteile waren: "Ob diese Bewertungen tatsächlich permanent stattfinden, das wollen wir mal glauben, aber Sat. 1 lässt uns da nicht in den Maschinenraum gucken."
Zwar würde Huber lieber andere TV-Empfehlungen geben, aber da die Staffel nun hundert Tage laufe, und man sich auch nicht ständig das "24-Stunden-Polittheater" der wirklichen Welt anschauen könne, sei die Serie "zur Entspannung vielleicht einmal ganz gut".
(sed)