Neuer Burgtheater-Intendant
Sein Vertrag am Schauspiel Köln läuft eigentlich noch bis 2026, aber zur Spielzeit 2024/25 wechselt Stefan Bachmann bereits nach Wien. © picture alliance / Henning Kaiser
Stefan Bachmann wechselt von Köln nach Wien
10:11 Minuten

Neuer Intendant des Wiener Burgtheaters wird der Schweizer Stefan Bachmann, der derzeit noch das Schauspiel Köln leitet. Er soll schaffen, woran sein Vorgänger Martin Kušej gescheitert ist: Wieder mehr und vor allem neue Zuschauer an die Burg locken.
Als der Schweizer Theaterregisseur Stefan Bachmann Intendant des Kölner Schauspiels wurde, war er sozusagen ein König ohne Königreich. Das Theater wurde gerade saniert und er musste mit seinem Team erst ein neues Gebäude suchen. Dieses fand man dann in ehemaligen Industriehallen in der Nähe der Keupstraße.
Die Nachbarschaft, die türkische Community, wurde in viele Projekte miteinbezogen. Mittlerweile ist diese Ausweichspielstätte eine "Herzensspielstätte" für das Ensemble geworden, das eigentlich gar nicht mehr ins große Schauspielhaus zurück will.
Von Köln nach Wien
Ganz im Gegensatz zu den improvisierten Theaterhallen nun das altehrwürdige Burgtheater, ein Prachtbau im Herzen von Wien, eine der bedeutendsten Bühnen Europas. Hier erwartet man nun von Stefan Bachmann, der 1966 in Zürich geboren wurde, was er in Köln bereits geschafft hat: zeitgenössisches Theater und neue Zuschauer.
Das ist Bachmann auch selbst bewusst, wie er auf der Pressekonferenz, auf der sein Wechsel angekündigt wurde, erklärte: „Ich denke, dass es auch darum geht, im Burgtheater die Schwelle abzubauen und auf eine sich verändernde Stadtgesellschaft modern und zeitgemäß zu reagieren, Angebote zu machen. Ein Bundestheater, das gehört den Menschen, die es bezahlen, das sind die Bürger.“
Zeitgenössisches und klassisches Theater
Gerade daran aber sei sein Vorgänger Martin Kušej gescheitert, vermutet unser Theaterkritiker Stefan Keim: „Ich glaube, man erwartet von Stefan Bachmann, dass er auch mal etwas Repräsentatives, auch mal wieder klassisches Theater macht, wohin man die Eltern und die Geschäftspartner einladen kann.“
Auf der Pressekonferenz kündigte Bachmann bereits an, dass er natürlich auch die klassische Theatertradition weiterführen wolle und er großen Respekt vor der einzigartigen Qualität des Schauspielerensembles in Wien habe. Der Schweizer Theaterregisseur hat in den letzten Jahren mehrfach selbst im Burgtheater inszeniert, unter anderem das Theaterstück „Winterreise“ von Elfriede Jelinek und „Jedermann stirbt“ von Ferdinand Schmalz.
Im Bewerbungsverfahren des österreichischen Kulturministeriums hat sich der zweifache Gewinner des österreichischen Theaterpreises Nestroy gegen 18 Konkurrentinnen und Konkurrenten aus verschiedenen Ländern durchgesetzt, so die österreichische Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer. Bachmann habe im Bewerbungsverfahren "ein außerordentliches Gespür für die aktuelle Lage der Theaterwelt unter Beweis gestellt. Und das hat mir sehr, sehr imponiert.“
Das Burgtheater soll mehr glänzen
Für unseren Kritiker ist Bachmann ein Regisseur, der manchmal inhaltlich nicht unbedingt präzise ist, aber eine sehr starke Ästhetik und einen guten Geschmack hat: „Bei dem gibt es, um es mal ganz platt zu sagen, immer gut was zu gucken. Ich glaube, das ist etwas, das den Wienerinnen und Wienern bei Martin Kušej gefehlt hat. Die haben gesagt: Da fehlt uns der Glanz. Da war vieles trocken, vieles dröge. Und da hat Stefan Bachmann ein künstlerisches Temperament, das wieder für mehr Erlebnishaftigkeit im Burgtheater steht.“
Eigentlich ist es üblich, den Vertrag des Amtsinhabers zu verlängern, und es melden sich in der Regel auch keine ernsthaften Gegenkandidaten. Im Fall Kušej war es anders, auch weil klar war, dass die zuständige Kulturstaatssekretärin Mayer nicht zufrieden war mit seiner bisherigen Leistung: Die Auslastung der Burg blieb unter den Erwartungen. Am Dienstag erst hatte Kušej seine Bewerbung zurückgezogen, am Mittwoch wurde mit Bachmann bereits sein Nachfolger bekanntgegeben.
(mit Material von Oliver Soos)