Patrick Rottler, Leo Martin: Die geheimen Muster der Sprache - Ein Sprachprofiler verrät, was andere wirklich sagen
Redline Verlag, 240 Seiten, 14,99 Euro
Mit Sprachanalyse Verbrechen aufklären
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Persönlich verfasste Texte von Tätern seien oft aufschlussreicher als ein Fingerabdruck, meint der Kriminalist Leo Martin. Er wird mit seinen Kollegen unter anderem dann beauftragt, wenn Unternehmen Drohbriefe erhalten.
Leo Martin hat Kriminalwissenschaften studiert und war zehn Jahre lang für den deutschen Geheimdienst im Einsatz. Heute arbeitet er als Sprachprofiler am Institut für forensische Textanalyse und schreibt Bücher.
Er und seine Kollegen analysieren Drohbriefe, Erpresserschreiben, gefälschte Testamente sowie anonyme Briefe: Um einen Täter zu finden, suchen sie nach individuellen Mustern.
Vom Text zum Täterprofil
Sprache sei aussagekräftiger als ein Fingerabdruck, sagt Martin. "Ein Fingerabdruck der Haut, der sagt eigentlich nur ein Ding aus. Und zwar: Jemand hat einen bestimmten Gegenstand berührt, und vielleicht lässt sich dann auch noch ein Rückschluss auf die Körpergröße ziehen."
Sprache hingegen ermögliche Rückschlüsse auf das Alter, auf das Geschlecht, eventuell auf die regionale Herkunft, den Bildungsgrad sowie auf einzelne psychologische Merkmale. Über Sprache könne man herausfinden, wie der Täter tickt und welche Persönlichkeit er hat. "Wenn wir einen Täter haben, der nur von ‚ich, ich. ich‘, ‚mir, mir, mir‘, ‚mein, mein, mein‘ schreibt, dann ist das ganz etwas anderes, als wenn ein Täter oder ein Schreiber in seinen Brief einsteigt und sich bereits entschuldigt", meint Martin.
Lüge und persönlicher Ausdruck
Lügen ließen sich grundsätzlich eher im persönlichen Verhalten enttarnen, etwa wenn sich beim Gegenüber Stressanzeichen bemerkbar machten. Doch auch bei dem Verdacht, dass eine Person nicht die Wahrheit sage, habe er das Sprachprofiling schon als wirkungsvolles Ermittlungsinstrument erlebt.
(huc)