Von Klaus Pokatzky

Das Ergebnis der "Katrina"-Katastrophe wird eine neue Bürgerrechtsbewegung in den USA sein, meint der Historiker Mike Davis in der "Süddeutschen Zeitung". "Der Spiegel" beschäftigt sich mit dem Schriftsteller Martin Walser und antisemitischen Tendenzen in seinen Werken.
Das Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL beschäftigt sich mit einem Schriftsteller und fragt: Ist Martin Walsers Gesamtwerk antisemitisch gefärbt? Nach Lektüre einer neuen Studie des Kulturwissenschaftlers Matthias N. Lorenz zu diesem Thema ist SPIEGEL-Autorin Elke Schmitter geneigt, die Frage mit "Ja" zu beantworten: Beweislast bedrückend. Walsers tendenzieller Antisemitismus gilt inzwischen als prominenteste Variante eines Ressentiments, das der israelische Psychoanalytiker Zvi Rex in dem Satz zusammenfasste:

"Die Deutschen werden den Juden Auschwitz nie verzeihen."

Das Sonntagabendliche Fernseh-"Duell" zwischen Kanzler und Kandidatin kann sich in den Feuilletons natürlich noch nicht niederschlagen. Doch die FRANKFURTER ALLGEMEINE bietet einen Ersatz mit einem langen Interview. Wenn "Bunte" den Hund Holly des Kanzlerpaars vorstellt, denken viele Wähler: Das ist ein netter Mensch, der mag Hunde. Das erklärt Bunte-Chefredakteurin Patricia Riekel, deren Blatt hin und wieder als Zentralorgan der Berliner Republik bezeichnet wird, so wie dereinst DER SPIEGEL als das Zentralorgan der Bonner Republik galt.

Wenn jemand in "Bunte" nicht vorkommt, kommt er unter Umständen auch im öffentlichen Bewusstsein nicht vor, erfahren wir noch - und dann die bunten Unterschiede zwischen Kanzler und Kandidatin: Schröder hat diesen Duft von Männlichkeit und Macht. Und: Frau Merkel kann dem Kanzler keine geballte Weiblichkeit entgegensetzen. Sondern? Sie könnte Wähler auch gewinnen, wenn sie Zuverlässigkeit, weibliche Intuition und die Logik der Wissenschaftlerin ausstrahlt.

Ein Interview der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG befasst sich mit den Horrorbildern, die die Welt seit Tagen aus New Orleans ertragen muss. Es ist ein Unglück, das man seit Jahrzehnten voraussehen konnte, erklärt der amerikanische Stadtforscher und Historiker Mike Davis:

"Ich glaube, dass ein Ergebnis dieser Katastrophe eine neue Bürgerrechtsbewegung sein wird. New Orleans ist seit Jahren berüchtigt, weil dort versucht wird, die arme schwarze Bevölkerung aus der Stadt zu vertreiben. Die Eliten, die über die Stadt herrschen, setzen sich zusammen aus der traditionell weißen Wirtschaftsschicht und einer kreolischen Politikerklasse. Das gemeinsame Ziel beider Gruppen ist es, New Orleans zu verbürgerlichen, ähnlich wie es in San Francisco geschehen ist."

Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG gibt den Aufschrei wieder, den der Rapper Kanye West in einer Live-Benefiz-Sendung der Fernsehgesellschaft NBC losließ:

"George Bush sind die Schwarzen egal!"

Und: "Ich hasse es, wie sie uns in den Medien porträtieren. Du siehst eine schwarze Familie, und es heißt: Sie plündern. Du siehst eine weiße Familie, und es heißt: Sie suchen nach Nahrungsmitteln."

Drei Stunden später, als die Sendung zeitversetzt an der Westküste übertragen wird, ist des Rappers Kanye West Anti-Bush-Philippika herausgeschnitten. So viel Sprengstoff hat seit langem keine Fernsehminute mehr enthalten, meint Jordan Mejias in der FRANKFURTER ALLGEMEINEN: Seitdem hat Amerika eine zweite Trümmerfront.

Die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG fasst die amerikanischen Stimmungen so zusammen:

"Dies ist nicht der Irak, dies ist nicht Somalia, dies ist nicht die Dritte Welt! This is home!"

Überschrift des Artikels: "Amerika verliert den Glauben an sich selbst".

In der FRANKFURTER ALLGEMEINEN macht sich Gary Smith, Leiter der American Academy in Berlin und in New Orleans geboren, für den Wiederaufbau seiner Geburtsstadt stark - dieser sehr zivilisierten Stadt, in der die Kulturen verschmolzen. Sie war anders als der Rest von Amerika, und zugleich verkörperte sie auf geradezu ideale Weise das Wesen Amerikas. Ceterum censeo: Unter allen Umständen aber muss diese Stadt wieder aufgebaut werden. Der Stolz von New Orleans wird den Menschen dabei helfen.