Es sprechen: Michael Evers, Bettina Kurth, Uta Prelle, Erwin Schastok und der Autor
Ton: Thomas Monnerjahn
Regie: Friederike Wigger
Redaktion: Barbara Wahlster
Übersetzung: Nataša Medved
Schriftsteller Miroslav Krleža
Ein großer widersprüchlicher Autor des 20. Jahrhunderts: der Schriftsteller Miroslav Krleža. © Getty Images / ullstein bild
"Widerstand ist ein zuverlässiger Maßstab zur Beurteilung der Wahrheit"
55:45 Minuten
Er dinierte mit Tito und stritt mit ihm. Miroslav Krleža prägte mit seinen zahlreichen Werken die jugoslawische Literatur. Doch ist der Schriftsteller hierzulande noch immer ein weitgehend Unbekannter.
Im Lexikografischen Institut in Zagreb hat der am 29. Dezember 1981 verstorbene Übervater der kroatischen Literatur noch immer ein Zimmer. „Miroslav Krleža, Gründer“ steht auf dem Türschild.
Kulturelle Identität der Südslawen
Es ist eine kuriose Ehrung. Krleža hat nie in dem Gebäude nahe dem Nationaltheater gearbeitet. Das Lexikografische Institut befand sich zu seiner Zeit am Strossmayerplatz. Krleža gründete es 1950 als Jugoslawisches Lexikografisches Institut, um die kulturelle Identität der Südslawen zu festigen.
Heute trägt die angesehene Einrichtung den Namen seines ersten, sehr produktiven Direktors, der nicht wenige Artikel in den unter seiner Leitung entstehenden Enzyklopädien und Lexika selbst schrieb: „Lexikographisches Institut Miroslav Krleža".
Krleža war ein einflussreicher Homo politicus und ein Schriftsteller von europäischem Format. „Der kroatische Gott Mars“ (Erzählungen, 1922), „Die Rückkehr des Filip Latinovicz“ (Roman, 1932) und „Ohne mich“ (Roman, 1938) zeigen ihn als großen Modernen und Gefährten von Marcel Proust, Thomas Mann und Robert Musil.
Politische Bewährung
Im Zweiten Weltkrieg wäre Krleža wegen seiner unmissverständlichen Kritik an Stalins sozialistischem Realismus und seinem Eintreten für die Freiheit der Kunst nicht sicher gewesen. Er blieb daher im faschistischen Zagreb und versteckte sich im Sanatorium eines Freundes, wenn es wie oft gefährlich wurde. Nach der Befreiung musste er sich bewähren, erst dann durfte er sich den Traum der Institutsgründung erfüllen.
Heute erkennen fast alle im unabhängigen Kroatien Krležas Bedeutung an, ringen aber mit seinen dezidiert linken und jugoslawischen Positionen. Das Lexikografische Institut lag 2013, als das Feature entstand, noch am Marschall-Tito-Platz. Heute lautet die Adresse: Platz der Republik Kroatien.
Das Institut führt aber weiterhin den Namen seines einflussreichen Gründers. Ein großer widersprüchlicher Autor des 20. Jahrhunderts ist wiederzuentdecken.
(pla)
Das Manuskript der Sendung aus dem Jahr 2013 können Sie hier herunterladen.